Der Piper Verlag, der sich nach dem rauschenden Triumph der Glut alle verfügbaren Rechte am Werk des wieder entdeckten Sándor Márai gesichert hat, kündigt gleich zwei Romane des großen Ungarn an: die frühe Erzählung Die Rebellen aus dem Jahre 1929 und Ein Hund mit Charakter (1932), überdies eine Bildbiografie. Angesichts des Eifers, mit dem das Münchner Haus (ganz zu Recht) den Enthusiasmus über die Renaissance des so lange verschollenen Schriftstellers zu nutzen weiß, vergessen wir freilich allzu oft, dass es der Berliner Ein-Mann-Verlag Oberbaum von Siegfried Heinrichs war, der sich 1996 dem hartnäckigen Werben des Übersetzers Hans Skirecki beugte und den Roman Bekenntnisse eines Bürgers - zweifellos eines der bedeutendsten Bücher des Autors - schüchtern genug in einer Auflage von 500 Exemplaren zu lancieren versuchte: ohne jedes Echo bei der Kritik. Das bleierne Schweigen schien die Ablehnung durch die Lektoren von zwölf prominenten Verlagen zu bestätigen. Es kam, wie wir wissen, ganz anders.

Der Piper Verlag, der sich nach dem rauschenden Triumph der Glut alle verfügbaren Rechte am Werk des wieder entdeckten Sándor Márai gesichert hat, kündigt gleich zwei Romane des großen Ungarn an: die frühe Erzählung Die Rebellen aus dem Jahre 1929 und Ein Hund mit Charakter (1932), überdies eine Bildbiografie. Angesichts des Eifers, mit dem das Münchner Haus (ganz zu Recht) den Enthusiasmus über die Renaissance des so lange verschollenen Schriftstellers zu nutzen weiß, vergessen wir freilich allzu oft, dass es der Berliner Ein-Mann-Verlag Oberbaum von Siegfried Heinrichs war, der sich 1996 dem hartnäckigen Werben des Übersetzers Hans Skirecki beugte und den Roman Bekenntnisse eines Bürgers - zweifellos eines der bedeutendsten Bücher des Autors - schüchtern genug in einer Auflage von 500 Exemplaren zu lancieren versuchte: ohne jedes Echo bei der Kritik. Das bleierne Schweigen schien die Ablehnung durch die Lektoren von zwölf prominenten Verlagen zu bestätigen. Es kam, wie wir wissen, ganz anders.

Immerhin brauchte Oberbaum auf die Rechte an den Tagebüchern nicht zu verzichten. Man mag darin ein heimliches Walten der Gerechtigkeit erkennen, denn es gibt keinen Zweifel, dass die Journale Sándor Márais (neben dem autobiografischen Werk, zu dem die beiden Bände Land, Land gehören, auch sie bei Oberbaum erschienen) wenigstens den gleichen Rang behaupten wie die Romane, am Ende vielleicht sogar wichtiger sind: als kritischer Spiegel eines düsteren Jahrhunderts, als Zeugnis einer Existenz der kompromisslosen Individualität. Von der Kindheit im ungarisch-slowakischen k. u. k. Städtchen Kaschau über die lärmende Nachkriegsepoche in Berlin und Paris, die literarischen Erfolge im Budapest der dreißiger Jahre bis zur deutschen Okkupation, der faschistischen Heimsuchung, der sowjetischen Eroberung, der Flucht vor der stalinistischen Diktatur, den langen Jahrzehnten des Exils in Italien und in den Vereinigten Staaten, wo Márai, fast 90-jährig und nach dem Tod der Frau völlig vereinsamt, seinem Leben 1989 ein Ende setzte.

Der zweite Tagebuchband (1984 bis 1989), in dem Márai die geduldig-tapfere Kapitulation vor dem Tod dokumentierte, ist ein ergreifendes Dokument des Abschieds. Voraus ging eine Sammlung von Notizen, Briefen, Fotos, der nun einige Essays über Márai beigefügt wurden. Rasch folgten die Bände drei (1976 bis 1983) und vier (1968 bis 1975): eine etwas verwirrende Reihenfolge, denn der Herausgeber lässt das Leben des Schriftstellers gleichsam im Rückwärtsgang Revue passieren. Mit dem siebten und (vermutlich) letzten Band erreicht die Chronik das Jahr des Schreckens 1944.

Diese ungewöhnliche Chronik, die sich so radikal von der Egozentrik Thomas Manns in seinen Journalen unterscheidet, breitet einen seltenen Reichtum der sensuellen Wahrnehmung, eines fast überwachen Geschichtsbewusstseins und der selbstverständlichen Präsenz nahezu aller Epochen des europäischen Geistes aus. Nur schwer ist der Versuchung zu widerstehen, Seite um Seite mit Zitaten zu füllen. Hier nur dieses eine (aus dem Jahre 1963): "Camus. Endlich ein Nihilist, der sympathisch ist und nicht an die engagierte Literatur glaubt. Er glaubt nur an den engagierten Menschen." Präziser ließ sich Werk und Wirkung des Kollegen nicht charakterisieren.

Zugleich legt Oberbaum zwei Briefbände vor, die gleiche Aufmerksamkeit verdienen wie die Tagebücher, mit denen sich uns ein Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts geöffnet hat.

Sándor Márai:Tagebücher. Band eins bis sieben; ausgewählt und übersetzt von Hans Skirecki; hrsg. von Siegfried Heinrichs; Oberbaum, Berlin 2001; zusammen 1246 S., 300,- DM
Sándor Márai:Briefe eins und zwei, Oberbaum, Berlin; zusammen 400 S., 76,- DM

 
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