E R Z Ä H L U N G Aus dem Innern des Wahns

Der Bericht der Serbin Ildi Ivanji von einer Kindheit in Bergen-Belsen

Wissen Sie, was "professionelle Kälte" ist? Oder "langweilige Appelle"? Eine "ernährungskosmetische Behandlung", die verschiedene Menschen gleich macht? Eine "besondere Unterhaltung"? Und was BB? BB ist "nicht Brigitte Bardot und auch nicht die Bahnstrecke Belgrad-Bar", sondern Bergen-Belsen. Der Rest ergibt sich von selbst. Nur die "Unterhaltung" nicht. Es ist eine professionelle Maßnahme gegen die Langeweile, die ein allein deportiertes Kind erlebt, das dort mit elf Jahren - jünger als Anne Frank im selben Lager, genauso jung wie Ruth Klüger in Auschwitz - gefangen ist.

Den Ton von Ildi Ivanji begreift man schnell. Man hält den Atem an, wenn sie "professionell" sagt. Professionell sind die Dinge, die man ohne das, was sie Humor nennt, nicht beschreiben, geschweige denn ertragen kann. Man macht sich aufs Grauen gefasst, wenn sie "langweilig" sagt. Langweilig sind zum Beispiel "zwei Stunden vergeblichen Aufenthalts in starrer Haltung, bei Frost von minus fünfundzwanzig Grad und sinnlosem Abzählen von vorn und hinten", nach denen sie "mit einem Bein weniger" in die Baracke zurückkehrt. "Doch später hatte ich dann ein Bein zuviel, weil das linke anfing, für zwei wehzutun. Es wurde rot, dann lila, dann begannen die Kapillaren zu platzen. All das war unendlich langweilig." Was tun? Das, was der harmlose Titel ausspricht: Wetten am Tor. Sie halten den Atem an?

Nur ein Mal, bei Imre Kertészs Roman eines Schicksallosen, hatte ich das Gefühl, etwas aus dem Innern des Lagers, vom Lager als einem Zustand des Ich zu erfahren. Man hat dem Opfer und Autor die monströse Unkorrektheit vorgeworfen, dass er den jugendlichen Wunsch nach Ordnung und Sinn in eine monströse Welt trug. Der 15-Jährige konnte die Methodik des Lagers, wo das Leben, nicht der Tod Wahnsinn ist, deshalb so exakt analysieren, weil er sie "vorurteilslos" hinnahm. Weil erst hinter seinem Rücken ein lebender Toter aus ihm wurde, dessen letzte Sehnsucht gegen seine Vernunft protestiert: "Ein bisschen möchte ich noch leben in diesem schönen Konzentrationslager."

Das zweite Mal ging es mir so bei Ildi Ivanji. Sie analysiert nicht, doch sie skizziert, mit erwachsenem Minimalismus, eine noch kindlichere Figur, die ebenfalls erklärt, "warum ich mich in diesem BB-Lager nicht so schlecht fühlte". Auch diesem Kind wird vorgeworfen, es sei böse und gefühllos - von den erwachsenen Gefangenen, die meinen, Leichen seien ein hässlicherer Anblick als etwa Großmutter Lichtenberg in der Latrine. Vielleicht steht dem Buch ein ähnliches Urteil vonseiten der Entkommenen und der Späteren bevor, weil es zeigt, dass die Wünsche in der Hölle nur die Hölle kennen.

Fast nur. Denn das Mädchen mit den hässlichen Schneidezähnen dreht insgeheim Filme, in denen es mit grünen Hunden und grünen Bären spielt. Die Lagerwelt selbst funktioniert nach der Logik eines absurden Drehbuchs, und Ildi Ivanjis lakonischer Sarkasmus, der viel schärfer wirkt als bloße naive Kinderwahrheit, vermengt den Irrwitz von Fantasie- und Lagerwelt in knochentrockenen Paradoxen, schreienden Euphemismen und karg stilisierten Grotesken. Das Lagerskript schreibt vor, dass sie zu einer privilegierten Häftlingsgruppe gehört, während jenseits des Tors die "richtigen" Häftlinge vegetieren. Die Kinder spielen mit, indem sie wetten, wer von den lebenden Leichen, die dort täglich die toten Leichen wegkarren, das Gebäude mit den Öfen erreicht, ohne selbst auf dem Karren zu landen; dafür tauschen sie Zucker, Käse, Brot.

Doch plötzlich findet die grüne Wunschwelt eine reale Antwort. Die irren Gestalten eines Budapester Ghetto-Kabaretts ziehen ein, und Ildi, die alles Schreckliche komisch machte, doch nie zu lachen wagte, stellt fest, dass sie "seit Jahrhunderten kein Lachen gehört" hat. Nach der Vorführung eines Stücks, das allen Wörtern das Initial des Vernichters voranstellt, lernt sie Rubi, der die Gruppe leitet, zu "lieben". Durch ihn enden die Wetten am Tor, denn im Kabarett hört Ildi eine Geschichte, die ihr die Augen öffnet. Sie handelt von vier Pferden. "Nicht bei jedem wirkt Zyklon B. Aber die vier Pferde schafften mich völlig."

Rubi starb. Ildi Ivanji überlebte. Mit ihrer Geschichte hat sie lange gewartet. Die Zeit hat sie zu einem messerscharfen Meisterwerk geschliffen, das die Wahrheit aus dem Innern des Wahns schneidet - nicht als Dokument einer (Ver-)Blendung, sondern als Resultat einer Hellsicht, die sich den blinden Fleck der kindlichen Wünsche bewahrt. Ein ungeheures kleines Buch, ein bescheidenes, monströses Muss.

 
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