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Wie stark das Redaktionsbudget tatsächlich zusammengekürzt werden muss, erfuhr Turi allerdings erst, als er den Posten des Troubleshooters eingenommen und mit der Erstellung von Kündigungslisten begonnen hatte. "Es stimmt, dass ich nicht über das gesamte Ausmaß der wirtschaftlichen Probleme informiert war", bestätigt Turi. "Aber ich war bereit zu sanieren."
Vorvergangenen Dienstag konfrontierte Manthey Turi plötzlich mit der Idee, Turi das Blatt zu verkaufen. "Und da war ich überhaupt nicht begeistert." Das neue Konzept (ein Hochglanz-Branchenmagazin für die Internet-Szene) hätte nicht mehr zum übrigen Milchstraßen-Kosmos gepasst. Das neue Magazin soll erstmals am 7. September erscheinen. Turi zahlt dafür im Lauf von zehn Jahren erfolgsgebundene Lizenzgebühren im siebenstelligen Bereich, "nicht an der untersten Grenze".
"Dirk Manthey soll zu dem zurückkehren, was er wirklich kann: Lifestyle", sagt Betriebsratsvorsitzende Müller. Und er muss sehen, wo er wirtschaftlich bleibt. Zwar werden "die etablierten Titel trotz Anzeigenflaute keine roten Zahlen schreiben", wie Vertriebsleiter Zimmermann sagt. Doch in den kommenden Monaten stehen für Manthey die Verhandlungen mit den Mediaagenturen über die Anzeigenpreise für das kommende Jahr an - und da wird er deutliche Rabatte geben müssen. Nicht nur die Auflagenverluste werden eine Rolle spielen. Der Starverleger wird ebenso zu spüren bekommen, dass er nach dem Ende von Net-Business die Aura des unfehlbaren Erfolgsmenschen verloren hat. "Die Frage stellt sich durchaus, ob die Preise angemessen sind", sagt Annette Marasas, Chefin der Mediaplanung für Zeitschriften und Zeitungen bei Springer & Jacoby, auch wenn sie weiterhin glaubt, dass "die Milchstraße in jedem Segment die attraktivsten Zeitschriften" hat.
Mantheys Tage als Guru mögen vorüber sein. Ob er die Baisse mit einem blauen Auge übersteht, liegt nun an ihm. Erste Anzeichen, dass der "König Midas der Medien" (Turi über Manthey) den Wandel zum "ganz normalen Verleger" begonnen hat, könnte ein kleines Detail zeigen: Das noch im Vorjahr überaus üppig gestaltete Firmenjahrbuch sollte in diesem Jahr unter dem Titel Wir sparen ...
stehen. Nun wird aus dem Budgetposten ein Sozialfonds für die gekündigten Tomorrow-Kollegen gebildet.
- Datum 02.08.2001 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 32/2001
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