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Das Goethe-Institut feiert seinen 50. Geburtstag. Doch so ganz stimmt das Datum nicht, denn schon im "Dritten Reich" gab es ein Institut gleichen Namens von Eckard Michels

Mit Festschrift, einer großen Ausstellung in Berlin und, nicht zu vergessen, einer Sonderbriefmarke feiert eine der großen deutschen Kulturinstitutionen in diesen Tagen Geburtstag. Vor 50 Jahren, am 9. August 1951, wurde in München das "Goethe-Institut e.V. zur Fortbildung ausländischer Deutschlehrer" gegründet. Allerdings: Ein bisschen geschummelt ist das Datum schon. Denn die Geschichte oder Vorgeschichte der zu Recht hoch gelobten Einrichtung reicht viel weiter zurück.

Schon in den Dreißigern nämlich war ein erstes Goethe-Institut von Franz Thierfelder ins Leben gerufen worden. Thierfelder, 1896 in Deutschbora in Sachsen geboren, promovierter Germanist, promovierter Volkswirt und gelernter Journalist dazu, war seit 1928 Generalsekretär der "Deutschen Akademie" in München das erste Goethe-Institut wurde denn auch 1932 als eine Abteilung innerhalb dieser Akademie gegründet. Doch anders als beim Deutschen Akademischen Austauschdienst, der im vergangenen Jahr seinen 75. Geburtstag feierte, erscheint es tatsächlich ratsam, die Geschichte des Goethe-Instituts auf 50 Jahre zu reduzieren. Denn 1945 hatten die Amerikaner die Deutsche Akademie, und damit auch das Institut, kurzerhand aufgelöst. Und das - vielleicht etwas überstürzt, aber gewiss nicht ganz ohne Grund ...

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Die "Akademie zur wissenschaftlichen Erforschung und Pflege des Deutschtums/Deutsche Akademie", wie die offizielle Bezeichnung lautete, war 1923 von Professoren der Münchner Universität, vor allem dem Kirchenhistoriker Georg Pfeilschifter, dem Geopolitiker Karl Haushofer und dem Historiker Hermann Oncken eingerichtet worden. Sie residierte zunächst am Odeonsplatz, von 1932 an im Maximilianeum. Ziel war es, nach dem verlorenen Weltkrieg das kulturelle Selbstbewusstsein der Deutschen wieder zu stärken.

Zugleich sollte die Akademie in der internationalen Arena deutsche Kultur propagieren.

Keine Kurse für "Untermenschen" Aus dieser doppelten Aufgabe rührte der Zwittercharakter des Vereins mit dem pompösen Namen: Mit seiner "wissenschaftlichen Abteilung" gab er sich als Gelehrtengesellschaft, welche die Deutschen mit ihrem kulturellen Erbe besser vertraut machen wollte. Mit seiner "praktischen Abteilung" hingegen betrieb der Verein Kulturarbeit im Ausland. Um der neuen Einrichtung das nötige Renommé zu verschaffen, stellte man ihr in Anlehnung an die 40 "Unsterblichen" der Pariser Académie Française einen 100-köpfigen Senat zur Seite: angesehene, politisch zumeist nationalkonservative und ausschließlich männliche Vertreter aus Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Militär.

Die anfänglich hochfliegenden Pläne der Gründer der Akademie (die am 5. Mai 1925 offiziell ihre Arbeit aufnahm), diese zur zentralen Organisation der nichtamtlichen auswärtigen Kulturpolitik zu machen, zerschlugen sich rasch.

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