Schon in der Bibel werden die Zahl der Sterne und die Zahl der Sandkörner gleichbedeutend mit "sehr viel" verwendet, allerdings nicht miteinander verglichen. Die Behauptung, es gebe mehr Sterne als Sandkörner, wurde unter anderem von dem Astrophysiker und Fernsehmoderator Carl Sagan vorgebracht, der in seiner Sendung Cosmos einmal an einem Strand saß, eine Hand voll Sand durch seine Finger rinnen ließ und sinngemäß sagte, die Zahl der mit bloßem Auge sichtbaren Sterne sei etwa so groß wie die der Körner in seiner Hand, insgesamt gebe es aber mehr Sterne als Sandkörner an allen Stränden der Erde.

Und wahrscheinlich hatte Carl Sagan Recht. Wobei es interessant ist, dass die beiden Werte recht nahe beieinander liegen. Und weil man sie nur sehr grob abschätzen kann, gibt es gewiss auch jemanden, der mit den Schätzungen genau andersherum argumentiert.

Fangen wir mit den Sternen an: Eine Galaxie wie unsere Milchstraße enthält etwa 100 Milliarden Sterne. Aber wie viele Galaxien gibt es im All? Vor ein paar Jahren sagten die Astonomen noch: eine Milliarde. Doch seit den Beobachtungen mit dem Hubble- Weltraumteleskop schätzt man eher: 100 Milliarden. Macht zusammen 10 Trilliarden oder 10 hoch 22 Sterne. Ungefähr.

Nun zum Sand. Da gibt es zum Beispiel die Rechnung, die der 11-jährige Schüler William Stewart aus dem US-Staat North Carolina für einen Kinderwissenschaftskongress aufgestellt hat. Er ist ganz einfach an seinen Heimatstrand gegangen, den Topsail Beach, und hat Sandkörner gezählt. Nach seiner Rechnung passen etwa 27 000 Körner in einen Kubikzentimeter (das kommt mir sehr viel vor, aber vielleicht ist der Sand dort sehr fein). Der gesamte Strand enthielte dann auf einer Länge von 42 Kilometern schätzungsweise 6 x 10 hoch 16 Sandkörner.

Um auf die Zahl der Sterne zu kommen, bräuchte man demnach etwa 7 Millionen Kilometer Sandstrand - und so viel gibt es auf der Erde bestimmt nicht, es sind wohl eher um die 200 000 Kilometer.

Aber wer weiß, zu welchem Ergebnis man käme, würde man die Wüsten dazunehmen? Vielleicht hat der Herrgott es ja tatsächlich so eingerichtet, dass es genauso viele Sandkörner auf der Erde gibt wie Sterne am Himmel. Christoph Drösser