Roland Barthes hat einmal mit einem seiner tückischen Bonmots den Zusammenhang zwischen Mode und Literatur folgendermaßen beschrieben: Mode, deren alleiniges Verdienst es sei, sich als reine Form zu erklären, gehöre in diesem Sinne zur Literatur. Diesen Satz zitiert Elke Naters in ihrem Buch (G.L.A.M.), das man ohne weiteres mit einem redenden Schrank verwechseln könnte und in dem - vom Burberry-Bikini über die Calvin-Klein-Unterhose - jede Menge modischer Statements gestapelt sind. Darunter auch dies, dass es mit dem Protest, dem schlechten Geschmack und der Ironie hoffentlich und endgültig vorbei sei.

Da in G.L.A.M. nichts von irgendwelchem Belang verhandelt wird, könnte man sich also eine künftige Literatur als reine, aber gediegene Form vorstellen, vielleicht in Buche massiv, in der alles unterzubringen wäre (außer natürlich Ironie, Geschmacklosigkeiten und Protest). Aber das ist es wohl nicht, was die neokonservativen Ästheten, deren Manifest Tristesse royale jetzt als edel-weißes Taschenbuch erschienen ist, mit ihren textuellen und textilen Äußerungen bezwecken. Für sie ist Schreiben ein Statement zur Wirklichkeit, vorgetragen als Garnitur des sich selbst in Szene setzenden Individuums.

Dazu kann man gar nichts weiter sagen. Entweder mir gefällt Ihre Handtasche, oder sie gefällt mir halt nicht. Tragen Sie sie ruhig. Es gibt Bücher, die liest man. Und es gibt Bücher, die werden wirklich gelesen. Zur ersten Gattung gehört beispielsweise das literarische Schlüsselwerk des kapitalistischen Realismus, die Moritat vom bösen Banker Bateman (American Psycho von Bret Easton Ellis), der die Leute, bevor er sie massakrierte, ausführlich vorzustellen pflegte: etwa als Träger eines Zweireihers von Cerruti 1881, eines weißen Baumwollhemds von Yves Saint Laurent, einer Seidenkrawatte von Bill Blass und Schuhen von Manuel Blahnik (oder so ähnlich).

Wo bleibt die Kunst?

American Psycho wurde als ein moralisches, antimaterialistisches Statement verstanden. Dabei zählt das Buch nur auf, was damals in New York an Marken gerade hip war. Dies war noch zu Beginn eines neuen Nominalismus (vor Pradas Aufstieg und vor dem Wegfall der Ironie), der inzwischen kaum mehr ein Kleidungsstück, keine Handtasche und keine Unterhose ohne verbalen Mehrwert auf den Markt entlässt. Ob Edelmarke oder Billigfetzen, es muss eine Bezeichnung geben, die die Handtasche von der Handtasche unterscheidet: Gucci. Gap. Hermès. H & M.

Unsere Realität ist differenziert. Der Realismus ist es folglich auch.

Markennamen sind zu einem nicht zu unterschätzenden narrativen Element geworden, sie erzählen Zusammenhänge und liefern Charakteristika, die man nur mit großer Umständlichkeit und unter Zuhilfenahme vieler Adjektive in ein literarisches Abbild der Wirklichkeit bringen könnte. Markennamen kann man lesen wie Kürzel, die Oberflächensegmente beschreiben, und das präzise.