Ausgerechnet Zitronen. Und ausgerechnet in Hamburg. "Die bestäube ich höchstpersönlich. Und die Früchte kenne ich alle. Ich weiß, wo sie hängen."

Es muss Liebe sein. Oder eine schwere Kindheit? Als Fritz Vahrenholt noch Klein Fritzchen war und in Gelsenkirchen lebte, sah er über sich weder blauen Himmel noch Sonne und kam nie über den Emscher-Seitenkanal hinaus. Erst als Chemiestudent sah er die Welt, genauer: Spanien. Azurblauen Himmel. Die Sonne. Und Zitronen! Heute ist er 52 und hat in Hamburg ein Gewächshaus. Für Zitronen. Sauer macht lustig. Und glücklich? Glück ist nicht, wenn der Hamburger Bürgermeister sagt: "Fritz, wir brauchen dich als Umweltsenator."

Glück ist auch nicht, wenn Shell anruft und sagt: "Herr Vahrenholt, wir brauchen Sie, weil wir wegen Brent Spar ein Imageproblem haben." Glück ist, wenn die Frau nach 25 Jahren Ehe sagt: "Du, ich brauch wieder Zitronen."

Fritz Vahrenholt, ein vielseitiger Mann mit mehreren Gesichtern. Einer, der überrascht. Oder provoziert, wie man's nimmt. Hat man ihn gerade in einer Schublade, sitzt er plötzlich in einer anderen. PR-Onkel bei Shell, wickelt Greenpeace ein, das stand auf der letzten Schublade. Und nun? "Ich mache jetzt Wind", sagt er und guckt ein bisschen müde, und selbst die Haare wirken grau. Denn er ist seit Mai dieses Jahres Unternehmer. Vorstandsvorsitzender der REpower Systems AG, einer neu gegründeten mittelständischen Firma, Zusammenschluss von vier Kleinen, die mit Windkraft ihr Geld verdienen. Zwei norddeutsche Windturbinenhersteller, ein Ingenieurbüro, ein Windparkplaner.

200 Mitarbeiter, die im letzten Jahr 200 Millionen Mark Umsatz machten. Der Firmensitz von REpower liegt in Hamburg, einen Steinwurf vom Flughafen entfernt. Die Kunden stammen bisher überwiegend aus Deutschland, demnächst, wenn alles gut geht, aus Frankreich, Griechenland, aller Welt. In ein paar Monaten geht es an die Börse. Die Firma börsenreif zu machen ist Vahrenholts Job.

Vergraulen Windräder die Wale?

Einer seiner Jobs. Mit seinen hellbraunen Augen blickt er in die Ferne. Dort liegt Helgoland. Und dicht bei der Insel, mitten in der Nordsee, sieht er vor seinem inneren Auge gigantische Windräder, die sich gemächlich im Nordseewind drehen. Hundert an der Zahl. Die Flügel einer Anlage überstreichen jeweils die Fläche eines Fußballplatzes. Jeder dieser Giganten liefert fünf Megawatt.