Markstücke zu Kochtöpfen

Was wird nach der Euro-Umstellung aus den alten Scheinen und Münzen? Aktenkoffer, Sitzbänke, Kunstwerke - bei der Bundesbank gehen dieskurrilsten Vorschläge ein von Birga Boecker

Der Countdown läuft: Keine vier Monate mehr, dann sind die Tage von Deutscher Mark und Deutschem Pfennig als gesetzliches Zahlungsmittel vorbei.

Eingeläutet wurde der Anfang vom Ende jedoch schon Anfang des Monats. Seit dem 1. September sind die ersten Geldtransporter auf Deutschlands Straßen unterwegs, mit Euro vollgepackt. Nach dem Jahreswechsel werden die Lastwagen dann vor allem mit D-Mark beladen sein. An Bankschaltern und im Einzelhandel werden riesige Mengen ausgemusterter Scheine und Münzen anfallen, die unter strengen Sicherheitsvorkehrungen quer durch die Republik gekarrt werden.

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Die Logistiker haben nun alle Hände voll zu tun. Für sie ist die Abschaffung der D-Mark eine gigantische Herausforderung, größer noch als die viel beachtete Euro-Einführung. Klar ist bisher nur, wie viele Euro-Scheine und Münzen ausgeliefert werden müssen. Unklar ist, wie groß die D-Mark-Menge sein wird, die abgeholt werden muss. Probleme bereiten vor allem die Münzen. Nach Angaben der Bundesbank sind derzeit rund 48,5 Milliarden Mark- und Pfennigstücke im Umlauf. Zurückgegeben werden wohl nicht alle davon. Die Bundesbank zum Beispiel geht von einer "Schwundquote von mehr als 40 Prozent" aus. Soll heißen: Vier von zehn Münzen bleiben auf ewig in Sparbüchsen auf dem Dachboden, am Grund von Wunschbrunnen oder in den Ritzen der Wohnzimmergarnitur verschollen. Das macht es schwer, den logistischen Aufwand zu berechnen.

Allein für den Transport des alten Kleingeldes sind deshalb mindestens 13 000 Lastwagenladungen nötig. Während bei den Münzen vor allem das Gewicht die Spediteure zum Schwitzen bringt, ist es beim Papiergeld das große Volumen: Aufeinandergetürmt würden die Scheine eine Höhe von etwa 320 Kilometern erreichen - und damit fast die Umlaufbahn der internationalen Raumstation ISS erreichen.

Schätzungen der Bundesbank zufolge wird es gut zwei Jahre dauern, bis der gesamte Geldmüll entsorgt ist. Den Münzschrott wird die Firma Vebeg in Frankfurt meistbietend an Industriebetriebe verkaufen. Zumindest als Rohstoff geht die D-Mark den Deutschen also nicht verloren. Das Kleingeld wird vor der Wiederverwertung streng nach Zusammensetzung getrennt: Pfennige bestehen aus Stahl mit Kupfer- beziehungsweise Messingauflage, wodurch sie etwa zu Baustahl verarbeitet werden können. Markstücke haben gute Chancen, als Kochtöpfe bald wieder unters Volk zu kommen. Ihre Kupfer-Nickel-Legierung eignet sich nämlich zur Herstellung von Edelstahl, und der wird gerne zur Küchenausstattung benutzt.

Einige der alten Münzen finden sogar den Weg zurück in die Brieftaschen, denn die Bundesbank braucht noch Metall für die neue Währung. Die bisher produzierte Euro-Menge reicht lediglich für die Erstausstattung der Bevölkerung.

Größeres Kopfzerbrechen als die Verwertung des Kleingeldes bereitet den Bundesbankern das Altpapier. Mehrere Recyclingversuche schlugen bereits fehl.

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