Basketball Das ist Deutschlands ruhigste Hand

Spätestens seit der Basketball-Europameisterschaft ist Dirk Nowitzki ein Star, Anlass für eine nähere Betrachtung seines wichtigsten Werkzeugs

Die andere beginnt am 19. Juni 1978 in Würzburg. Die 50-malige Basketball-Nationalspielerin Helga Nowitzki bringt einen Jungen zur Welt und nennt ihn Dirk. Ein Allerweltsname für ein Allerweltskind. Dennoch wird die Bild-Zeitung 23 Jahre später, im September 2001, in ehrfurchtsvollem Ton berichten: Als Kind lutschte er immer am Daumen.

Der Daumen. Falls die Hand ein Geschenk Gottes ist, hängt der Daumen an einem Gelenk Gottes. Ausgerechnet dieser Finger, dicker und plumper in Gestalt als die anderen vier, kann rotieren wie kein zweiter. Nur deshalb vermag der Mensch mit ihm jede andere Fingerkuppe zu berühren. Kein Affe schafft das - darum ist er auch nicht Mensch geworden vor mehr als drei Millionen Jahren, schuf keine Werkzeuge und Waffen, wurde kein Pianist, kein Chirurg, kein Maschinenbauer, kein Hütchenspieler. Indem aber der Mensch das Greifen lernte, nahm er auch sein Schicksal in die Hand.

Dirk Nowitzki ist sechs Jahre alt, als seine Mutter ihn zum Turnen fährt. Mit acht steigt er auf Tennis um, wird später Vierter bei der Bayern-Meisterschaft und ärgert sich, dass er dauernd gegen einen gewissen Thomas Haas verliert. Mit zwölf geht er zum Basketball. Turnen, Tennis, Basketball - mit den Jahren ist Dirk Nowitzki das Sportgerät immer näher gekommen. Jetzt liegt es in seiner Hand.

Jetzt liegt es in seiner Hand: Wieso diese Redewendung? Weshalb die vielen Fingerspiele bei Babys? Warum der Elternstolz, wenn sich ein Kind die Schuhe binden kann? Weil Hand und Hirn aufs Engste verbunden sind. Der amerikanische Neurologe Frank R. Wilson behauptet sogar: Erst war die Hand, dann kam das Hirn - herausgefordert durch die Möglichkeiten, die die Finger dem Menschen boten. Ohne die ungewöhnlichen Fähigkeiten der Hand gäbe es keine Höhlenmalereien, ohne Höhlenmalereien keine Symbole, ohne Symbole keine Buchstaben, ohne Buchstaben keine Bücher. Und auch nicht die Erkenntnis, dass das Wort »Fingerspitzengefühl« längst Ausdruck für intellektuelle Qualitäten ist, dass der Satz »Er hat die Sache im Griff« mehr als nur manuelles Geschick beschreibt, dass die Feststellung »Der packt es nicht« schlimmste Schelte ist, die Rede vom »großen Wurf« aber ein Lob.

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