Ach, Frauen
(ER)
Und von der Gunst der Frauen sagst du nichts,
Die willst du mir doch nicht entbehrlich schildern?
(SIE)
Wie man es nimmt. Denn du entbehrst sie nicht,
Und leichter wäre sie dir zu entbehren,
Als sie es jenem guten Mann nicht ist.
Denn sag', geläng' es einer Frau, wenn sie
Nach ihrer Art für dich zu sorgen dächte,
Mit dir sich zu beschäft'gen unternähme?
Bei dir ist alles Ordnung, Sicherheit
Du sorgst für dich, wie du für andre sorgst,
Du hast was man dir geben möchte. Jener
Beschäftigt uns in unserm eignen Fache.
Ihm fehlt's an tausend Kleinigkeiten, die
Zu schaffen eine Frau sich gern bemüht.
Das schönste Leinenzeug, ein seiden Kleid
Mit etwas Stickerei, das trägt er gern.
Er sieht sich gern geputzt, vielmehr, er kann
Unedlen Stoff, der nur den Knecht bezeichnet,
An seinem Leib nicht dulden, alles soll
Ihm fein und gut und schön und edel stehn.
Sich anzuschaffen, wenn er es besitzt,
Sich zu erhalten
immer fehlt es ihm
An Geld, an Sorgsamkeit. Bald läßt er da
Ein Stück, bald eines dort. Er kehret nie
Von einer Reise wieder, daß ihm nicht
Ein Drittheil seiner Sachen fehle. Bald
Bestiehlt ihn der Bediente. So, (...,)
Hat man für ihn das ganze Jahr zu sorgen.
*
Hier wird ein quälendes Gesetz der Geschlechterdifferenz formuliert. Man bemüht sich, bringt Blumen, sorgt fürs Taxi, rückt den Stuhl zurecht - und alle Aufmerksamkeit zieht der unrasierte Widersacher auf sich, dem es auch noch gelingt, das Steak so zu schneiden, dass es auf das Ballkleid der Angebeteten fluppt. Und es macht ihr nichts aus! Man kann zähneknirschend grollen. Es bleibt dabei. - Der Mann, der dies dichtet, hat Erfahrung - und er lässt eine Frau sprechen, voll Lebensklugheit, weshalb die italienischen Silben für Leben auch in ihrem Namen stecken. -is
Auflösung aus Nr. 37: Christian Wagner, 1835 bis 1918
- Datum
- Quelle DIE ZEIT, 38/2001
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