Der 11. September 2001 war der schwärzeste Tag in der Geschichte der Massenmedien. Die Ereignisse haben mich tief schockiert und lassen mich seitdem nicht mehr in Ruhe. Nie zuvor waren Terror und Tod in unserer Gesellschaft so sichtbar. Nie zuvor wurde ein Massenmord live ausgestrahlt.

Wenn wir das Fernsehen als wichtigste kulturelle Institution der Moderne betrachten, war jener Dienstag der traurigste Tag unserer Zeit.

Noch nie war die symbolische Kraft eines Moments so wuchtig und vermutlich konsequenzenreich wie in den Live-Bildern der Terrorattacken auf New York.

Das Fernsehen benötigte gerade einmal zwei Stunden, um die Bedeutung des World Trade Centers (WTC) und des Pentagons zu entleeren - und damit zwei in Stahl, Stein und Glas gebaute Zeichen der politischen, wirtschaftlichen und militärischen Macht. Wer heute die Flagge der USA betrachtet, kann die Kraft, das Selbstbewusstsein und die Hoffnung dieser Nation und ihrer Idee spüren.

Doch die Attribute werden seit zehn Tagen überdeckt von Verzweiflung, Angst und Trauer. Eine solch radikale und rapide Umdeutung symbolischer Werte ist einmalig in der Geschichte.

Hätte ich nach meinem eigenen Besuch in New York, der just am 9. September endete, meine Bilder und Eindrücke eingefroren und wäre ich nicht auf die britische, sondern auf eine einsame Insel gereist, ohne Fernsehen, ohne Telefon, dann wäre meine Welt heute noch in Ordnung. Dann würde ich so an Manhattan denken, wie ich die Zwillingstürme des WTC zuletzt erlebt hatte: groß, stark und unverwüstlich. Doch ich saß in meinem Wohnzimmer in Cambridge, und wie Millionen von Menschen rund um die Welt erlebte ich ein ungeheures Medienereignis vom Sofa aus. Natürlich hoffte ich für einen Moment, dass diese Fernsehwirklichkeit, die ich empfing, genau das wäre, was Kritiker den Massenmedien als Konstruktion der Wirklichkeit vorhalten, also ein fake: ein Scherz, ein Hollywood-Film oder ein Medienexperiment wie Orwells Radiostunde vom Krieg der Welten. Doch allzu schnell wurde mir klar, dass dies die bloße Realität in der Stadt war, in der ich selbst drei Tage zuvor gewesen war. Amerikas Symbole standen tatsächlich in Flammen. Und ich hatte angenommen, sie wären so unverwundbar wie der American dream.

Während das Rohmaterial der Fernsehstationen und die Amateurvideos vor meinen Augen vorbeizogen, war ich wie gelähmt. Es gelang mir nicht, die richtigen Fragen zu stellen. Ich bezweifle, dass es mittlerweile möglich ist. Es ist erstaunlich, wie mich die Bilder fesselten, obwohl sie sich ständig wiederholten. Wie sie viele Menschen zu Tränen rührten, selbst wenn sie keinen Bezug zu den Ereignissen haben, weder Verwandte noch Bekannte an den Tatorten. Als Teil des Millionenpublikums war ich in sicherer Entfernung - und trotzdem ergriffen von Unsicherheit und Angst. Die Endlosschleifen - die loops - und die Amateurvideos, denen wir alle ausgesetzt waren, waren sehr effektvoll. Ob die Fernsehstationen sie aus Mangel an eigenen Bildern, also aus reiner Verlegenheit einsetzten? Die wackeligen und unscharfen Bilder der Laien sprechen jedenfalls eine spontane und unmittelbare Sprache. Wir sahen eine Überdosis von Eindrücken und Stimulationen, die erklärt werden muss - obwohl ich glaube, dass bisherige Theorien nur Ansätze liefern können.