Berlin muss sich entscheiden
Weiß, Ocker, Grau oder Naturstein? Das Brandenburger Tor braucht einen neuen Ton. Fragen an Farbexpertin Katrin Cramer
Frau Cramer, demnächst fällt die Entscheidung, in welcher Farbe das Brandenburger Tor gestrichen wird. Worauf wäre dringend zu achten?
Das Brandenburger Tor war nie ein isoliertes Objekt, sondern immer Teil des gesamten Stadtkörpers. Von Osten her gesehen, ist es sehr stark mit dem Pariser Platz verbunden und Teil dieses Ensembles. Von daher muss das Tor in das Panorama eingebunden werden, in die Gesamtfassade des Platzes. Es wäre fatal, die Farbauswahl losgelöst vom Umfeld vorzunehmen. Die Frage nach Kontext und Wirkung ist hier elementar.
Vier Töne stehen zur Auswahl: Weiß, Ocker, Sandstein und Grau. Was spricht eigentlich gegen kräftigere Farben wie Rosa oder Gelb?
Es geht nicht darum, irgendeine Lieblingsfarbe auszusuchen, sondern um die Einbindung dieses Solitärs in das Gesamtensemble Pariser Platz. Wir haben es hier mit lauter sandfarbenen, hellen und freundlichen Natursteinfassaden zu tun. Das Haus Liebermann links vom Tor beispielsweise ist in sehr homogenem portugiesischem Rosal verkleidet. Rechts vom Tor sehen wir Obernkirchner Sandstein, das ist ein Stein mit einer sehr starken gelben Äderung.
Dazu passt ein neutrales Weiß doch ziemlich gut, oder?
Reinweiß war zwar der Ursprungsanstrich des Tores, die Farbe ist also historisch verbürgt - sie wäre in der Gesamtsituation hier aber inzwischen fremd. Weiß ist ohnehin als Farbelement in Berlin sukzessive verschwunden. Es wirkt zu leicht, erscheint als Anstrich und nicht als materialeigene Farbqualität, es vermittelt keine Gravität.
Es spricht also nichts für die Farbe Weiß?
- Datum 04.10.2001 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 41/2001
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