Das Sanierer-Duo
Finanzmanager Mario Corti und Airline-Profi André Dosé sollen retten, was noch zu retten ist
Es sah alles so gut aus mit Mario Corti. Zwar war der 55-Jährige erst seit einigen Monaten im Verwaltungsrat der Swissair und hatte somit nicht viel Erfahrung in der schwierigen Luftfahrtbranche. Aber benötigte man in der Krise nicht einen gewieften Finanzmanager, der den Wirrwarr aus Beteiligungen, Finanzierungszusagen und undurchschaubaren Leasing-Deals auflösen konnte? Corti erfüllte die Voraussetzungen, schließlich hatte er sich als Finanzchef von Nestlé einen hervorragenden Ruf erworben.
Seit dem Frühjahr hat Corti viel gelernt und viel entschieden. Er schaffte, was keiner für möglich hielt: die angeschlagene Swissair-Gruppe aus den Verpflichtungen bei Air Liberté und Sabena zu lösen. Die Ausstiegskosten schienen verkraftbar. Doch dann kam der 11. September - und damit die weltweite Krise der Fluggesellschaften.
Es gibt einen Bereich, in dem Corti keine großen Veränderungen für nötig gehalten hat: die Strategie des Fluggeschäfts. Und jetzt, da die Zukunft der Gruppe auf dem Spiel steht und unklar ist, in welcher Form sie überleben wird, ist der Swissair-Chef auf André Dosé angewiesen, den 44-jährigen Chef der Crossair. Dosé gilt als Ziehsohn des Crossair-Gründers Moritz Suter.
Dieser tat seinem Nachfolger im Januar 2001 einen großen Gefallen. Als Suter von der Unternehmensspitze in den Verwaltungsrat wechselte, räumte er sofort sein Büro in der Crossair-Zentrale in Basel, um allen klar zu machen, wer künftig das Sagen hat. Inzwischen hat sich Dosé als eigenständig denkender Unternehmenslenker einen Namen gemacht.
André Dosé kennt das Airline-Geschäft seit Jahrzehnten. Schon Ende der siebziger Jahre arbeitete er für die Swissair an den Stationen in Genf und London. Nach einigen Jahren als Pilot in den USA kam er 1986 zur Crossair und wurde 1991 Chef des Flugbetriebs.
Seine Karriere schien blockiert, als Suter den ehemaligen Chef der Deutschen BA, Richard Heideker, als starken zweiten Mann ins Unternehmen holte. Doch als Heideker im vergangenen Jahr überraschend ging, war für Dosé der Weg frei.
Wie sich nun zeigt, gilt dies nicht nur für die Crossair: Dosé wird voraussichtlich Chef der neuen Schweizer Fluggesellschaft. Wie diese heißen soll, ist noch unklar, aber wenn Dosé sich durchsetzt, wird die Zentrale in Basel sein. Im Gegensatz zu seinem Mentor müsste er sich dann kein neues Büro suchen. Jens Flottau
- Datum 04.10.2001 - 14:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 41/2001
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