Die Schule - einziger Ort der Geborgenheit
Sabine Etzold: "Kleine Klasse, große Klasse?", ZEIT Nr. 38
Interessant ist, dass der Lernerfolg in Mathematik gemessen wurde, denn was das kognitive Lernen betrifft, mag die Klassenstärke tatsächlich keine Rolle spielen. Zwei Dinge gebe ich aber zu bedenken:
1. Wenn ich 32 Schüler in eine Fremdsprache einführe, kann ich mich der Aussprache des Einzelnen viel weniger intensiv widmen, als wenn die Klasse "nur" aus 25 besteht, auch hat der einzelne Schüler viel, viel weniger Redezeit zur Verfügung.
2. Die Schule ist ja lange nicht mehr nur ein Ort der Wissensvermittlung, durch alle Medien geht der Hilferuf an die Lehrer, den Schüler aufzufangen, zu stützen, zu erziehen. Es ist nach meiner Erfahrung tatsächlich so, dass die Schule für viele Kinder der einzige Ort ist, an dem sie wahrgenommen, erkannt werden, hier wendet sich ihnen jemand bewusst zu. Hier erfahren sie eine gewisse Regelmäßigkeit, Geborgenheit . Der Frust des Lehrers, der heute so regelmäßig beklagt wird, resultiert wesentlich aus der Tatsache, dass ihm so viele Kinder gegenüber sitzen, die ihn viel intensiver brauchen, als er es leisten kann. Das ist mein zweites Argument für kleinere Klassen.
Caroline Steiner Studienrätin für Deutsch und Englisch Ratzeburg
- Datum 04.10.2001 - 14:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 41/2001
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