Die Träume der Lady Hamlyn

Mit einem Hotel-Château im Beaujolais hat eine reiche englische Dame bewiesen, was Geld und guter Geschmack vermögen. Vor kurzem hat sie auch ein Restaurant in der Provence eröffnet

Es war einmal eine sehr reiche Dame aus England. Sie saß in ihrem Cottage und blickte auf die vielen Bankkonten, die die Wege ihres gepflegten Rasens säumten. Ach, wenn ich doch nur ein Schloss in Frankreich hätte!, seufzte sie. Das hörte ihr Steuerberater und sagte: Aber Mistress Hamlyn (so war ihr Name), Sie haben doch genügend Pfund Sterling, um sich ein Schloss zu kaufen!

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Warum tun Sie es nicht?

Die Antwort war einfach: Mrs. Hamlyn wollte nicht irgendein Schloss, sondern ein einmaliges, und es sollte auch der Öffentlichkeit zugänglich sein, damit alle Welt Kenntnis nähme von ihrem einmaligen Hausbesitz.

Das war zu der Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat, insbesondere wenn genügend viel Geld vorhanden war. Also kaufte sich Mrs. Hamlyn ein sehr großes Schloss im südlichen Beaujolais. Das ist ungefähr da, wo die Gamaytraube nicht mehr angepflanzt wird und die Kuttelwürste noch nicht zur Schulspeisung der Kinder gehören. Das Schloss wurde bewacht von einem Drachen namens Denkmalschutz. Der achtete darauf, dass keine Treppenstufe erniedrigt und kein Fenster abgedichtet wurde. Er übersah jedoch, dass Mrs Hamlyn die barocken Täfelungen und die klassizistischen Ornamente, die die verschiedenen Schlossbesitzer im Laufe der Jahrhunderte eingebaut hatten, abmontieren ließ, damit, wie sie sagte, die originalen Fresken aus der Renaissance wieder zum Vorschein kämen. Denn die reiche Engländerin hat eine Schwäche für blasse Wandmalereien, auch wenn sie aussehen wie die Relikte eines Therapiekursus.

Als Nächstes ließ die Dame alle Räume des Schlosses in Gästezimmer verwandeln, was wegen des argwöhnischen Drachen auch nicht so einfach war.

Bestand die Lady doch auf einer sehr britischen Art der Badezimmer, in denen eine altmodische Wanne in der Mitte des Raums stehen muss und ein Toilettenthron daneben. (Mit Thron sind lediglich die Ausmaße dieser Sitzgelegenheit bezeichnet. Der Nachtstuhl selbst ist ein holzverkleideter Kasten, nicht gerade kinderfreundlich, aber der antiken Welt sicher näher als unsere modernen, sitzbeheizten Porzellanschüsseln.)

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