Die Wellnessmaschine
Stets dem neusten Trend angepasst: Die Therme Loipersdorf in der Südsteiermark
Sanftes Hügelland, verschlafene Dörfer mit niedrigen Häuschen, gebettet in Wiesen voller Obstbäume und frei laufender Hühner. Das Thermenland im Südosten der Steiermark ist ländliche Idylle pur. Und mittendrin in dieser Bilderbuchwelt, in der Nähe des Städtchens Fürstenfeld, liegt Europas größte Kur- und Badeanstalt, die Therme Loipersdorf. Vom unscheinbaren Dörfchen Loipersdorf sind es nur ein paar Kilometer in ein abgeschiedenes kleines Tal mit Wald- und Wiesenflanken, das beherrscht wird von einem großmächtigen hufeisenförmigen Gebäudekomplex. Im Hintergrund: eine Reihe von Hotels, im Vordergrund: das Thermalbad mit seinen Hallen und dem weitläufigen Gelände, aus dem blaue Becken leuchten und aus dem sich eine mehr als hundert Meter lange, fette Schlange in die Höhe windet - die Wasserrutsche. Black Hole ist ein Kunststoffkanal mit frappierendem Innenleben: 16 000 verschiedene Düfte, Klänge und Gerüche überfluten die Wasserratten, während sie auf ihrem Allerwertesten durch die Multimediaröhre reisen.
Das gesamte Loipersdorfer Thermenareal umfasst mehr als 20 000 Quadratmeter.
Wer sein überbordendes Angebot nützen will, hat zwar draußen und drinnen reichlich Platz und daher selbst an Rekordtagen mit 2500 Besuchern nie das Gefühl, beengt oder bedrängt zu sein. Aber als Neuling braucht man erst mal reichlich Zeit, um sich zurechtzufinden in diesem Labyrinth der Erholung und Entspannung.
Wir beginnen mit Action, der erste Weg führt ins Erlebnisbad, das als Zielgruppen der Spaßgesellschaft die Familien mit Kindern und die Sportlichen bedient. Vor allem im Sommer, wenn auch die beiden Süßwasser-Freiluftbecken in Betrieb sind, geht es hier hoch her. Im Wellenbad rauschen mehr als halbmeterhohe Wogen an den künstlichen Meeresstrand. Das Acapulco-Becken mit seiner Felssteineinfassung und dem Sprungturm suggeriert Karibikgefühl.
Die südöstliche Steiermark ist bis weit in den Herbst hinein ein warmer Landstrich, aber halt doch nicht die Toskana, wie manche Werbestrategen gern suggerieren. Thermengeschäftsführer Wolfgang Riener macht sich da keine Illusionen, hat stattdessen alles daran gesetzt, den Badebetrieb vom Wetter unabhängig zu machen. Die Gäste sollen das Gefühl haben, dass in Loipersdorf an 365 Tagen im Jahr die Sonne scheint, sagt der Manager. Tatsächlich ist diese Illusion fast perfekt inszeniert. Wenn's regnet, wenn's schneit, dann krabbeln die Kleinen am überdachten Baby Beach und schaufeln Muscheln und Sand aus Florida in die Eimerchen.
Die nachhaltigsten Schönwettergefühle freilich offeriert die erst im vergangenen Jahr runderneuerte Sonnensauna. In diesem weitläufigen Ensemble von Schwitzkammern, Steinbädern, Felsbrausen und Wasserbecken vergeht unser zweiter Thermentag wie im Flug. Wir schwelgen in Düften von Eukalyptus und Minze, wir verschwinden in der Nebeldusche und in den Dämpfen der künstlichen Grotte, wo wir auf warmen Felsen sitzen und dem Plätschern kleiner Wasserkaskaden lauschen. Im Solarium können wir es uns auf Wasserbetten bequem machen, das bräunt angeblich noch mal so schnell. Mit fernöstlichen Feng-Shui-Effekten den jüngsten Trends angepasst, soll auch das neue Kneippbecken der Sonnensauna wundersam wirken. Wir spüren zwar nichts von den verheißenen energieaufbauenden Schwingungen, aber zumindest die heilsame Wirkung des Thermalwassers im warmen Kneippbassin ist wissenschaftlich dokumentiert.
Ach ja, das Thermalwasser. Im Eifer des Sportelns, Schwitzens und Anbetens künstlicher Sonnen hätten wir fast übersehen, dass die Therme Loipersdorf eigentlich auch ein Kur- und Heilbad ist. En passant entdecken wir das eigentliche Thermalbad mit dem warmen, heilkräftigen, mineralhaltigen Quellwasser. Das 20 Jahre alte Außenbecken wird gerade saniert
- Datum 04.10.2001 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 41/2001
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