Durch den Filter des Herzens

Nach neun Jahren kehrt Leonard Cohen mit einer neuen CD zurück. Und spricht über Strategien der Liebe und Musik ohne Manifeste

die zeit: Ist es schwierig, im Alter von 67 Jahren wieder mitten im jugendlichen Popmarkt aufzutauchen?

Leonard Cohen: Über solche Dinge denke ich nie nach. Ich hatte immer ein überschaubares Publikum in vielen Ländern, das an Themen und Problemen interessiert ist, die nie ein Massenpublikum ansprechen. Junge Journalisten - vor allem in Amerika und Kanada - mögen es nicht besonders, wenn man Ernsthaftigkeit oder "Betroffenheit" zeigt, das ist mir aufgefallen. Für mich ist das nachvollziehbar. Ich habe oft gesagt, man müsste den Mut finden, an der Oberfläche zu bleiben. Mir ist diese Haltung des "Was soll's?" nicht fremd.

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zeit: Sie haben neun Jahre gebraucht, um ein neues Album aufzunehmen. Die Abstände werden immer länger.

Cohen: Ich arbeite sehr langsam. Diesmal war ich besonders langsam.

zeit: Die Musiklandschaft hat sich völlig verändert hat. Irritiert Sie das?

Cohen: Das betrifft mich wenig. Ein paar Stücke entsprechen vielleicht dem Zeitgeschmack, aber das war nicht geplant. Ich habe dieses Album zusammen mit Sharon Robinson gemacht, mit der ich schon lange zusammenarbeite. Das meiste ist am Computer entstanden, aber ich denke nicht, dass man das als unangenehm empfindet. Die Musik hat eine warme, entspannte Qualität, weil wir sehr gute Samples verwendet haben. Wir wollten einige Spuren live von Musikern nachspielen lassen, haben uns aber entschlossen, bei den Computerfassungen zu bleiben.

zeit: Es gibt einen traumhaften Fernsehauftritt zusammen mit dem Saxofonisten Sonny Rollins. Würde diese Art von Jazz nicht besser zu ihrer Musik passen als die auf Dauer doch sterilen Syntheziserklänge?

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