Ein Bad in der Puszta

Hajdúszoboszló. Das Mekka der Rheumakranken. Gesundheitsurlaub mit Folklore. Zu wohltuenden Preisen

Das Wasser. Eine richtige Brühe ist das. Brühwarm eben, braun fast wie Bratensaft. Reinsteigen, ausstrecken, ein bisschen mit den Beinen planschen - und wohlfühlen. Hunderte tun es. Wechseln drinnen in der dampfenden Halle von Becken zu Becken, von 32, zu 34, zu 36 Grad, lassen sich, nach draußen geschwommen, von Regentropfen nicht stören, scharen sich wie Kindergartenkinder unterm Wasserpilz, drängeln, um sich vom scharfen Strahl den Nacken massieren zu lassen. Als wäre das Thermalbad von Hajdúszoboszló ein Garant für ewiges Wohlbefinden und Linderung aller Malaisen, so zahlreich haben die Badegäste, die Mehrzahl sichtlich jenseits der 50, ihren warmen Platz im Nass genommen.

Zwei Wochen - und ich habe das ganze Jahr über wieder Ruhe. Da hilft keine Spritze in Deutschland, da muss der Kraftfahrer aus dem Taunus nach Hajdúszoboszló. Dann hat er kein Kreuz mehr mit dem Kreuz. Er ist selbstständig, da muss man fit bleiben. Wir wollen 99 werden, tönt fröhlich einer aus der kleinen Freundesclique, die sich genüsslich in der Brühe suhlt.

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Wir tun was für unsere Gesundheit, ergänzt seine Frau. Dafür nehmen sie auch klaglos 17 Stunden Busfahrt von Berlin an den Rand der Puszta in Kauf.

Denn die wollen sie auch sehen. Und überhaupt: Wer hier seinem Körper Gutes gönnt, lernt gleich auch noch ein fremdes Land kennen.

Alföld heißt die Region, in der Hajdúszoboszló liegt, die Große Tiefebene, platt wie Ostfriesland. Budapest ist 200 Kilometer weit weg, dafür ist man in einer halben Stunde in der Hortobágy-Puszta, dem Piroschka-Land.

Aber es ist das Wasser. Deswegen kommen die Menschen in den fernen Osten Ungarns. Das Wasser, das Wunder wirken soll, wenn der Rücken weh tut, das helfen soll bei Rheuma und Bewegungsbeschwerden, bei Nervenentzündungen, nach Sportverletzungen und nach orthopädischen Operationen, bei Ekzemen und Schuppenflechte.

Der Aufstieg Hadjúszoboszlós nahm seinen Anfang am 26. Oktober 1925. Der Geologe Ferenc Pávai Vajna bohrte nach Erdgas, als eine 15 Meter hohe, 73 Grad heiße Fontäne aus mehr als tausend Meter Tiefe emporschoss und sich in die Gräben des Dorfes ergoss. Die Frauen wuschen ihre Wäsche drin. Und es tat ihnen gut. Wunden heilten schneller, Schmerzen ließen nach, von der Feldarbeit raue Hände waren plötzlich weich. Das wohltuende Wasser wurde untersucht - und siehe da, es entpuppte sich als Heilwasser, hervorgeholt aus dem Urgrund des pannonischen Meers. Angereichert mit Jod, Brom und Kochsalz, mit Spurenelementen von Titan, Kupfer, Zink, Silber, Barium und Blei. Der menschlichen Gewebeflüssigkeit ziemlich ähnlich.

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