Fehlerfrei schweigen

Ulla Hanselmann: "Französisch statt Latein", ZEIT Nr. 38

Aus der Tatsache, dass Latein im quantitativen Ranking der Sprachen deutscher Schüler einen soliden dritten Platz belegt, ergibt sich keineswegs zwangsläufig, dass es dem Erlernen einer zweiten modernen Fremdsprache im Wege steht. Das Gegenteil ist der Fall. Setzt man den Filter auf die Latein lernenden Schüler, so zeigt sich: Keine andere Schülergruppe lernt im Durchschnitt mehr moderne Sprachen als die "Lateiner". Der Trend geht bei ihnen eher zur modernen "Drittsprache" - was insofern wenig erstaunt, als durch das Lateinische in vielerlei Hinsicht Grundlagen gelegt werden, die das Erlernen anderer Sprachen erleichtern.

Prof. Karl-Wilhelm Weeber Witten

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Ich plädiere für Latein als erste Fremdsprache, aber auch dafür, parallel schon Englisch zu lernen. Eine "lebendige" Fremdsprache lernt man jedoch meiner Erfahrung nach sowieso erst richtig, wenn man sich in das entsprechende Ausland begibt und dort einige Zeit verbringt. Zum Glück hatte ich ein paar Jahre Latein.

Gabriele Windorfer Schwetzingen

Solange der Englischunterricht überwiegend durch das Lehren grammatischer Formen beherrscht wird, solange Jahr für Jahr Lehrbücher und nicht die Lernenden im Zentrum des Unterrichts stehen, solange der spielerische Spracherwerb in der Grundschule von zu vielen Lehrkräften weiterführender Schulen als Spielerei diskriminiert wird, solange sprachliche Leistung primär am deklarativen Wissen statt am kommunikativen Können gemessen wird, solange fehlerhaftes Sprechen nicht höher bewertet wird als fehl erfreies Schweigen - und diese Liste lässt sich beliebig fortsetzen -, so lange werden wir mit dem schulischen Fremdsprachenunterricht nicht zufrieden sein können. Im Übrigen: Es gibt nicht nur Gymnasiasten, gleiche Forderungen haben Gültigkeit für alle Sprachenlerner.

Otfried Börner Lehrerfortbildner, Hamburg

Seit Monaten verfolge ich Ihre Initiative, dem deutschen Bildungssystem Niveau zu predigen. Es gibt viele gut gemeinte Ansätze, aber sie scheitern an der Realität der bundesdeutschen Bürokratie.

Leser-Kommentare
  1. Ich bin auch der Meinung, und zwar aus praktischer Erfahrung, dass sich Latein lernen auszahlt. Viele verschmehen diese historische Sprache und deklassieren sie als tot, doch was ist lebendiger, als sich durch Livius, Caesar, Plinius und viele weitere über das damalige Lebendige, die deutschen Vorfahren oder das Leben der Frauen etc. zu informieren. Was gibt aktiveren Bezug zur Geschichte als Latein?
    Außerdem ist Latein der Grundbaustein fast aller europäischen Sprachen und bildet somit eine gute Basis für den Einstieg in eine "3.Fremdsprache" und weckt noch mehr Interesse an dieser. Hinzu kommt, dass man mit Latein auch die Deutschkenntnisse erheblich verbessert. Durch Latein wird ein spielerisches Umgehen mit Grammatik, Kasi und Tempi möglich, was vielen Französischschülern, dies aus persönlicher Erfahrung, nur mit Mängeln zur Verfügung steht. Ich betone, dass ich hier nicht die französische Sprache angreifen möchte, auch wenn ich nicht mit ihr sympathisiere, was man durch die Entstehungsgeschichte dieser Sprache sicherlich nachvollziehen kann.
    Zu guter letzt fördert Latein die Logik, weil man bei lateinischer Textübersetzung nach einem bestimmten Analyseverfahren vorgeht und somit offener für das Verständnis von Sprachen ist.
    Die Forderung, Latein als erste Sprache anzubieten, finde ich jedoch übertrieben, da es nicht mehr die Wichtigkeit genießt, die manche Professoren erträumen.
    In diesem Punkt kann ich sagen, dass das Schulsystem, bezogen auf Latein, einer Reformation nicht bedarf.
    Salve

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