Freunde und andere Feinde

Wie die USA seit einem halben Jahrhundert versuchen, in der islamischen Welt Realpolitik zu machen

Am Abend des 24. April 1980 starten acht Hubschrauber mit Soldaten der US-Spezialeinheit Delta Force vom Deck des Flugzeugträgers USS Nimitz, der im arabischen Meer kreuzt. Ihr Auftrag: rund sechzig Amerikaner zu befreien, die seit fast einem halben Jahr von radikalislamischen Studenten in der Teheraner US-Botschaft als Geiseln festgehalten werden. Die Hubschrauber sollen sich zunächst auf einer entlegenen Wüstenpiste mit sechs Transportflugzeugen treffen, auftanken und in die Nähe der iranischen Hauptstadt weiterfliegen.

Von dort aus wollen die Elitesoldaten mit Lastwagen in die Stadt fahren, die Geiseln im Handstreich befreien und zu den wartenden Flugzeugen zurückbringen. Doch schon auf dem ersten Landeplatz gerät das Kommando in einen Sandsturm, der drei Hubschrauber lahm legt. Einer von ihnen stößt mit einem Hercules-Transporter zusammen. Beide Maschinen gehen in Flammen auf, acht US-Soldaten sterben. Die Aktion muss abgebrochen werden - alle Hubschrauber sowie zahlreiche Waffen und geheime Unterlagen bleiben zurück.

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Nach Bekanntwerden des Desasters kommt es in Teheran zu Freudenausbrüchen.

Die verhasste Supermacht Amerika ist einmal mehr gedemütigt worden. Die Regierung von US-Präsident Jimmy Carter hat einen weiteren schweren Schlag erlitten. Tatsächlich kommen die Geiseln erst am 20. Januar 1981 frei, dem Tag der Amtseinführung seines Nachfolgers Ronald Reagan. Gerüchte über geheime Absprachen zwischen Reagans Wahlkampfteam und den Iranern, die Geiseln nicht vor den Präsidentschaftswahlen freizulassen, sind nie verstummt, allerdings auch nie bewiesen worden.

Vielleicht war das frühe Scheitern der Befreiungsaktion aber auch ein Glücksfall. Wären die US-Soldaten zur Botschaft vorgedrungen, hätte es nach Meinung von Militärexperten wahrscheinlich ein Massaker gegeben. Eine der Geiseln erklärte später, Gott für den Sandsturm gedankt zu haben.

Vielleicht trägt die Erinnerung an diese Schlappe dazu bei, dass die Politiker und Militärs der USA jetzt, nach den verheerenden Terroranschlägen in New York und Washington, auf schnelle, aber riskante Vergeltungsschläge verzichten. Sie ist jedoch auch aus anderen Gründen bedenkenswert. Die islamische Revolution im Iran und der Sturz des Schahs, dessen Regime Präsident Carter noch Ende 1977 als "Insel der Stabilität" gepriesen hatte, bedeuteten die bislang schwerste Niederlage in einer Region, in der die USA schon seit dem Zweiten Weltkrieg vitale strategische und ökonomische Interessen verfolgten. Zugleich trat mit dem Fundamentalismus eine neue, radikal antiamerikanische und antiwestliche Kraft in Erscheinung, deren Explosivität man bis dahin kaum erkannt hatte. Wohl nirgendwo sonst standen (und stehen) der realpolitische Zwang zum Engagement und die Akzeptanz amerikanischer Präsenz in so krassem Missverhältnis wie in der arabisch-islamischen Welt. Unter diesen Voraussetzungen waren schwere Konflikte und Rückschläge nahezu unausweichlich.

Natürlich ging es zunächst einmal um Öl. Amerikanische Gesellschaften hatten bereits in den zwanziger Jahren Beteiligungen und Konzessionen erworben, doch politisch und wirtschaftlich dominierten Großbritannien und Frankreich, die nach dem Ersten Weltkrieg große Teile der Region als Völkerbundsmandate kontrollierten. Im Zweiten Weltkrieg war die überragende Bedeutung der Ölquellen des Mittleren Ostens allerdings offenkundig geworden, und mit dem Beginn des Kalten Krieges und der Gründung Israels im Jahre 1948 veränderten sich die strategischen Interessen der Vereinigten Staaten grundlegend.

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