Hast du mir was mitgebracht?
Heute: Brigitte Wolter, zurück aus dem Hamburger Freihafen
Die beste Freundin segelt langsam, aber sicher auf Mitte 50 zu. Ein Zustand, der beim Kauf von Mitbringseln berücksichtigt werden sollte.
Kosmetika mit straffenden, abschwellenden oder ähnlich drastisch beschriebenen Reparatureffekten kommen darum ebenso wenig in die Tüte wie belgische Pralinen oder knappe Bustiers aus dem Pariser Dessousgeschäft.
Unter trockener Haut dagegen leiden Junge wie Alte. Das entscheiden wir jetzt einfach ganz rigoros. Denn sonst wärest du nie in den Genuss dieses ausgezeichneten Kokosöls gekommen, für das ich nicht einmal ein Flugzeug besteigen musste, nur die U-Bahn in Richtung Freihafen. Die Sammelbestellung wird nämlich per Schiff angeliefert und landet, nach Wochen auf See, beim hiesigen Zollamt. Jetzt kannst du pünktlich zum Geburtstag dein Präsent aus Mikronesien in Empfang nehmen. Mit besten Empfehlungen der schönen Frauen von Ponape, die nichts anderes an ihre Haut lassen. Behauptet wenigstens die Bekannte, die das Zaubermittel auf der Pazifikinsel entdeckte.
Marekeiso - klingt das nicht wunderbar exotisch und viel aufregender als Estée Lauder? Außerdem ist es billiger. Falls du es selbst mal verschenken willst: Trotz Zollgebühr kostet die Flasche keine 20 Mark. Das Wichtigste jedoch für Ökofreaks wie dich: Marekeiso stammt nicht aus dem Labor, sondern direkt von der Kokospalme. Es ist so pur und unverfälscht, dass du es im Notfall sogar aufs Brot streichen könntest.
Bevor du diesen Weichmacher jedoch seinem Verwendungszweck zuführen kannst, sind Vorbereitungen zu treffen. Dank der erwähnten strikten Einhaltung des Reinheitsgebots und des Verzichts auf geschmeidigkeitsfördernde Emulgatoren wird das Fett nach dem Einfüllen in die Plastikflasche nämlich steinhart. Das ist zunächst vielleicht genauso irritierend wie der sich in deinem Badezimmer ausbreitende intensive Geruch nach Palmin. Nimm die Flasche einfach mit in die Wanne, dort erledigt sich das Problem von selbst. Der kompakte Kokosklumpen verflüssigt sich im heißen Wasser und wird sozusagen streichfähig. Allerdings erst nach geraumer Zeit und nur ab einer Temperatur, die deutlich höher liegen muss, als der menschliche Kreislauf gemeinhin verkraftet.
Versuch bitte trotzdem, bis zur Schrumpelfingerphase durchzuhalten. Lange Bäder in zu heißem Wasser trocknen die Haut aus? Ganz recht. Aber dafür hast du ja jetzt dieses fantastische Öl von Ponape.
- Datum 04.10.2001 - 14:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 41/2001
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