Im Schatten des Koran
In Bonn werden "7000 Jahre persische Kunst" gezeigt
Schon einmal, im März dieses Jahres, blickte die Welt nach Afghanistan: Damals beschloss die geistliche Führung der Taliban, die bildlichen Zeugnisse vorislamischer Kultur im Lande zerstören zu lassen. Den Appellen und Protesten aus aller Welt zum Trotz wurden kurz darauf die monumentalen Buddhafiguren von Bamiyan gesprengt. Ist der Islam also kunstfeindlich?
Nein. Dies beweist die Bonner Ausstellung 7000 Jahre persische Kunst - Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran. Die 178 Exponate zeigen eindrucksvoll, wie der Reichtum der vorislamischen Kunst in der islamischen Republik Iran gewürdigt und gepflegt wird. Man kann die Schau auch als eine Aufforderung zur Normalisierung der Beziehungen sehen: Zuletzt wurde eine größere Anzahl iranischer Kunstwerke in Deutschland 1962 gezeigt.
Die Schau ist chronologisch geordnet
das älteste Stück ist die winzige Tonstatuette einer Frau mit Kind
die Muttergottheit ist im 7. Jahrtausend vor Christus entstanden. Der Rundgang endet mit Keramiken der islamischen Epoche des 10. Jahrhunderts nach Christus.
Der Anfang, Iran in prähistorischer und frühgeschichtlicher Zeit, ist mit 109 Exponaten zugleich das Zentrum der Ausstellung. Hier kann man stilisierte Kleinplastiken von Pferd, Steinbock, Hirsch oder Widder bewundern, Gießgefäße, deren kultische Bedeutung unbekannt ist. Aus der Provinz Luristan stammen 17 berühmte Bronzen, die in großer Zahl in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts aus Raubgrabungen auf den Kunstmarkt gelangten: Zaumzeug, Beile, Standartenaufsätze, auf denen groteske Mischwesen dargestellt sind. Die Träger dieser Kultur sind geheimnisumwittert, man vermutet in ihnen ein Pferde züchtendes Nomadenvolk.
Ins volle Licht der Geschichte tritt der Iran mit der Herrschaft der Achaimeniden (559-330 v. Chr.), denen der zweite Abschnitt der Ausstellung gewidmet ist. Im westlichen Bewusstsein wird diese Epoche geprägt durch die Nachrichten aus dem Geschichtswerk des Herodot, der die beiden Perserkriege beschreibt und die heroischen Ereignisse von Marathon. Aus dieser Zeit wird unter anderem eine Bauinschrift in altpersischer Sprache des Großkönigs Xerxes gezeigt. Das persische Großreich endet mit der Eroberung durch Alexander den Großen und die Mazedonier, der Iran wird Teil der hellenistischen Welt. Werke griechischer Kunst vertreten dieses Zeitalter, darunter das Fragment einer weiblichen Gewandstatue
- Datum 04.10.2001 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 41/2001
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