Im Sog der Gene
Den Biotechnik-Firmen geht der Nachwuchs aus. Gefragt sind nicht nur Naturwissenschaftler, sondern auch Ökonomen
Robert Giegerich schöpft aus dem Vollen: "Ich könnte an einem Tag 20 Absolventen vermitteln", sagt der Professor für praktische Informatik an der Universität Bielefeld. Was in den Ohren von rund 4000 arbeitslosen Biologen wie eine Provokation klingen muss, ist für die Bielefelder Bioinformatikstudenten Alltag. Viele von ihnen werden schon vor ihrem Abschluss mit Angeboten von Biotechnologiefirmen und aus der Pharmaindustrie überhäuft.
Die Revolution der Gentechnik hat zu einem Mangel an Fachkräften geführt. Die Branche, die hierzulande rund 11 000 Mitarbeiter beschäftigt, ruft schon nach einer Green-Card-Regelung. Der Verband deutscher Biotechnologie-Unternehmen (VBU) schätzt die Zahl der Bio-Tech-Firmen auf rund 500 - und 90 Prozent davon wollen in den kommenden Monaten neue Mitarbeiter einstellen.
Herausforderung Nachwuchsmangel. Die Universität Bielefeld leistete da Pionierarbeit. Vor zwölf Jahren richtete sie als erste Hochschule der Welt einen Bioinformatikstudiengang ein. "Als mit dem einsetzenden Biotechnologieboom Mitte der neunziger Jahre das Nachwuchsproblem erstmals ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückte, entließen wir gerade die ersten Absolventen", erinnert sich Giegerich. Die arbeiten heute an fast allen wichtigen Bioinformatikstandorten in Deutschland. Aber auch im Ausland, etwa am European Bioinformatics Institute (EBI) im britischen Hinxton, oder an der Rockefeller University in New York.
Einer der Absolventen ist Michael Hoehl. Der 26-Jährige, der im Nebenfach Biologie studiert hat, ist auf Genomvergleiche spezialisiert. Obwohl Bioinformatikern Einstiegsgehälter bis 90 000 Mark winken, konnte er bislang den Lockungen der Industrie widerstehen. Er strebt eine akademische Karriere an. Die Chancen dafür stehen im Querschnittsfach Bioinformatik ausgezeichnet.
Universitäten und Fachhochschulen haben die Ausbildungslücke erkannt und buhlen nun um geeignete Kräfte, die bereit sind, einen Lehrauftrag an einer Hochschule anzunehmen. In München, Leipzig, Saarbrücken und Tübingen entstehen mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft Bioinformatikstudiengänge.
Michael Labensky wurde vom Leverkusener Bio-Tech-Unternehmen Biofrontera Pharmaceuticals noch während der Diplomarbeit von seinem Institut an der Düsseldorfer Universität abgeworben. Dort arbeitete der 26-jährige Biologe, der auch Informatik studiert hat, an Computerprogrammen für die Genexpressionsanalyse. "Das passte sehr gut zu unseren Arbeitsschwerpunkten", sagt Montserrat Foguet-Lübbert, Leiterin der Bioinformatikabteilung bei Biofrontera. Pro Jahr fallen in dem 50-Mann-Unternehmen, das sich auf die Erforschung von Gehirnerkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson spezialisiert hat, eine Unmenge an Daten an. Sie müssen ausgewertet und selektiert werden.
Bewerbungen über das Internet
- Datum 04.10.2001 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 41/2001
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