Im Sog der Islamisten

In Indonesien hatten radikale Muslime bisher keine Chance. Der 11. September hat alles verändert

Jakarta

Ulil Abshar Abdalla träumt einen großen Traum. Der junge Indonesier - gläubiger Muslim und überzeugter Demokrat zugleich - malt sich eine demokratische Zukunft für sein Heimatland aus. Indonesien, jenes komplizierte Riesenreich aus 13 000 Inseln, in dem mehr Muslime leben als in jedem anderen Staat der Welt, hat in den vergangenen Jahren eine Serie dramatischer Krisen durchlitten. Seine Wirtschaft liegt am Boden. Christen und Muslime haben einander massakriert. Sezessionskriege sind ausgebrochen. Und der erste demokratisch gewählte Präsident wurde seines Amtes enthoben. Doch Ulil, einer der führenden Schriftsteller und Intellektuellen des Landes, war trotz allem optimistisch geblieben.

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Seit 1998 Studenten auf den Straßen demonstrierten und Präsident Suharto aus dem Amt drängten, stand für ihn fest, dass sich Indonesiens liberale Muslime im Kampf um die Herrschaft gegen die Fundamentalisten durchsetzen würden.

Doch jetzt macht sich Ulil Sorgen. Die Folgen der Angriffe auf New York und Washington haben seinen Optimismus erschüttert. "Auf einmal führen die Fundamentalisten hier das große Wort", sagt er. "Das ist ein Wendepunkt.

Unser Versuch, eine Demokratie aufzubauen, ist bedroht."

Tatsächlich ist das Bild von Indonesiens toleranter Version des Islam in diesen Tagen beschädigt worden. "Verteidiger des Islam" sind johlend durch Hotels gezogen und haben Amerikaner aufgefordert zu verschwinden. Indonesiens muslimische Gelehrte haben "alle Muslime der Welt" aufgerufen, ihre Kräfte für den Kampf gegen Amerika zu sammeln, sollten die Vereinigten Staaten gegen Afghanistan vorgehen. Der amerikanische Botschafter in Jakarta hat Morddrohungen erhalten. Megawati Sukarnoputri, Indonesiens neue Präsidentin, gerade erst aus Washington zurückgekehrt, wohin sie gereist war, um den Kampf gegen den Terrorismus zu unterstützen, steht plötzlich im eigenen Land einer neuen Bedrohung gegenüber. Wenn Ulil Recht hat, fängt der Angriff vom 11.

September 2001 gerade erst richtig an, seine Wirkung zu entfalten.

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