In Willis' Welt

Katastrophenfilme und Popsongs helfen den Amerikanern in die Normalität zurück

Die amerikanische Unterhaltungsindustrie reagierte schnell auf die New Yorker Katastrophe. Sie stoppte die Produktion infernalischer Kinofilme, zog CD-Cover zurück, auf denen die brennenden Türme des World Trade Center zu sehen waren, und sagte Popkonzerte ab. Songs von Ruby Tuesday bis It's Raining Men unterliegen seit dem 11. September einer strengen Selbstzensur der Radiostationen. Pietät, so scheint es, ist momentan die erste Bürgerpflicht der Amerikaner, gerade was die Popkultur angeht. Hollywood trägt Halbmast.

Umso erstaunlicher erscheint auf diesem Hintergrund eine Nachricht, die kürzlich in dem Wirtschaftsmagazin The Economist zu lesen war: Seit den Terroranschlägen herrscht in den USA geradezu ein Run auf die Videotheken.

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Thriller und Katastrophenfilme, deren Handlungen auf einem terroristischen Anschlag basieren, haben Hochkonjunktur.

Die Amerikaner brauchen jetzt, so scheint es, die stabilisierende Kraft der "formula fiction". Mit diesem Begriff umschreibt der italienische Literaturwissenschaftler Umberto Eco die Erfolgsgeschichte des Agentenklassikers James Bond. Nicht Neugier oder Spannung bilden den Beweggrund für den Konsum des Trivialen, sondern die beruhigende Wirkung der Wiederkehr des Ewiggleichen. Der Held bekommt eine Aufgabe, es gibt Konflikte, er scheint zu scheitern, aber am Ende siegt die Identifikationsfigur über das Böse, und die Welt ist gerettet. Das Reizvolle für den Rezipienten liegt in der wunderbaren Vorhersehbarkeit der Ereignisse.

Die Hard, The Siege, Armageddon und wie sie alle heißen, die cineastischen Trugbilder des Ausnahmezustandes, nutzen die Ecosche Formel. Sie wirkt auf das Publikum wie Baldrian auf Nervöse.

Der entsetzte Teenager

Hier ist möglicherweise der Grund zu suchen für den aktuellen Ansturm auf die Videotheken. Die Amerikaner fliehen in die populäre Kultur, um sich von dort das sichere Gefühl eines "abgeschlossenen" Geschehnisses zurückzuholen. In ihrer Fantasie leihen sich die geschockten New Yorker einen Arnold Schwarzenegger oder Bruce Willis aus, damit er ihre Situation wieder ins Lot bringt. Sie schauen sich Filme mit Happy End an, um wieder an ihr eigenes, real glückliches Ende glauben zu können. Sie horten Hoffnung, um mit der Katastrophe umgehen zu lernen.

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