Infantiles Superhirn
Ist man intelligent, glauben die Leute, man sei radioaktiv. Sagt Malcolm.
Er hat einen IQ von 165, und das gefällt ihm gar nicht, denn nun muss er in die Hochbegabtenklasse gehen. Ich will nicht zu den Spinnern wechseln, sagt Malcolm, der selbst aus einer schrecklich blöden Familie stammt. Sein Vater ist sprachgestört, die Mutter hysterisch, und die drei Brüder sind entweder verrückt oder kriminell. Die größte Sehnsucht des elfjährigen Malcolm ist es, normal zu sein, so wie die anderen - zu deren Normalität allerdings ein kräftiger Schuss Bosheit gehört. Jeder, der sich über dich lustig macht, tröstet ihn seine Mum, ist ein widerlicher Versager, der später in der Waschstraße arbeitet. Darauf Malcolm: Eigentlich sollte ich mich jetzt nicht besser fühlen, aber ich tue es. Ganz nach der Art irr-bissiger US-Sitcoms hält hier ein kindlicher Philosoph, gespielt von Frankie Muniz, sein Publikum bei Laune - weniger mit frechen Sprüchen als mit hintersinnigen Betrachtungen, die er sozusagen vorn an der Rampe anstellen darf: alles, was ihm durch den Kopf rauscht, spricht er aus, während um ihn herum der Lebenskampf um die letzte Scheibe Toast und die TV-Fernbedienung tobt. Das Beste an der Kindheit, räsoniert er, ist, dass sie irgendwann aufhört. Bis dahin hat das infantile Superhirn noch viel Aufklärung zu leisten, zum Beispiel bei seinem neuen Freund aus der Spinnerklasse - einem behinderten Schwarzen, der von seinem Rollstuhl aus nicht fernsehen darf. Warum denn nicht?, fragt Malcolm entsetzt. Meine Mum sagt, es macht dumm. - Nein, schreit Malcolm, es macht dich normal!
Malcolm mittendrin
läuft montags auf Pro7 um 21.45 Uhr
- Datum
- Quelle DIE ZEIT, 41/2001
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren