Investition für Genießer

Edle Weine stehen bei Spekulanten hoch im Kurs. So stieg der Preis eines 1990er Pétrus um das 20fache

Nach dem ersten Schluck vom Château d'Yquem 1937 weinte ich fünf Minuten lang die wohl glücklichsten Tränen meines Lebens", erzählt der Schweizer Weinkenner und Autor René Gabriel in seinem Wälzer Bordeaux Total. Ein Schluck wie das "Eintrittsbillett ins Paradies". Raritäten zu entkorken - für Weinsammler Thorsten Schubert ist das alles andere als ein Akt der Glückseligkeit, für ihn ist das reine Geldvernichtung. "Zum Trinken bin ich viel zu geizig", sagt Schubert. Der Autor des Buches Weininvestment hortet edle Kreszenzen vor allem wegen der Renditechancen.

"Mit Wein lässt sich mehr verdienen als an der Börse", ist sich Investor Schubert sicher. "Wer einen 1990er Pétrus einst für rund 100 Mark gekauft hat, kann ihn heute für mehr als 2000 Mark verkaufen", frohlockt Schubert.

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Der 95er Latour, vor vier Jahren noch für 150 Mark zu haben, sei inzwischen fast 600 Mark wert - eine Steigerung von fast 40 Prozent pro Jahr. Und während der deutsche Aktienindex Dax von 1980 bis 1995 um 400 Prozent zugelegt habe, sei der Index der bedeutendsten Rotweine im gleichen Zeitraum um rund 500 Prozent gestiegen, hat Schubert ausgerechnet.

Als Blue Chips gelten unter Experten die Flaschen der bekannten Güter aus der Bordeaux-Region. "Zu tun hat das vor allem mit der Langlebigkeit ihrer Weine und mit dem über mehr als 200 Jahre gewachsenen Renommee", sagt der Rellinger Weinexperte Herbert Lammers. Bei den berühmtesten Châteaus seien Wertsteigerungen fast garantiert. Schließlich fände ein Mouton-Rothschild, Cheval Blanc, Margaux, Pétrus, Lafleur, Yquem oder Haut-Brion immer Abnehmer unter wohlhabenden Weinfreunden. Bei den Newcomern werden Le Pin, La Mondotte und Valandraud hoch gehandelt.

Die Qualität des Jahrgangs gibt Aufschluss über die Chancen des Investments.

Mit hohen Preissteigerungen können die Besitzer herausragender südeuropäischer Jahrgänge wie die der Jahre 1961 und 1982 rechnen. Zuletzt bescherten die Sommer von 1989 und 1990 ideales Wetter. Mit dem 2000er Jahrgang reift jetzt ein neuer Star in den Kellern der Châteaus. Frühe Blüte im warmen Frühling und späte Ernte im trockenen Herbst sorgten für einen langen Vegetationszyklus. "Nichts Schöneres" hatte Händler Lammers bisher auf der Zunge. Und der Star unter den Weinkritikern, Robert Parker, vergab noch nie so viele Spitzennoten: Allein 24 Weine hob er mit 95 und mehr Punkten in seinem 100-Punkte-System in den Olymp.

Nicht allein der Expertengusto entscheidet über den Preis des Weines. Für Sammler zählt auch die Frage: Wie rar sind die Bouteillen? So gehört der 82er Mouton-Rothschild wegen seines fülligen Aromas zu den Ikonen der Weingeschichte. Zwar hat der Pétrus des gleichen Jahrgangs nach einhelligem Expertenurteil nicht die Kraft des Mouton, ist aber mit rund 2500 Mark mehr als doppelt so teuer. Der Grund: Während Mouton-Rothschild pro Jahr rund 300 000 Flaschen auf den Markt bringt, sind es bei Pétrus nur etwa 45 000.

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    • Quelle DIE ZEIT, 41/2001
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    • Schlagworte Dax | Wirtschaftspolitik | Auktion | Bordeaux
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