Job und Studiendauer

Der Mythos: In Deutschland brauchen die Studenten so lange zum Studieren, weil die meisten von ihnen nebenher jobben müssen, um ihr Studium zu finanzieren. Eine im Frühjahr vorgelegte Untersuchung des Wissenschaftsrats zeigt: Nur knapp ein Drittel aller Studenten schafft das Studium in der vorgegebenen Regelstudienzeit. Gleichzeitig belegt die neueste Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks, dass 65 Prozent der Studenten neben dem Studium arbeiten. Der Zusammenhang scheint klar. Schuld an den langen Studienzeiten ist der Job.

Die Wirklichkeit: Tatsächlich gibt es keine Studie, die diesen Zusammenhang beweist. Eine immer noch gültige Untersuchung des HIS, des Hochschul-Informations-Systems, von 1993 legt nahe, dass Studiendauer und Belastung durch den Job nichts miteinander zu tun haben. Der Grund: Die meisten Studenten, 74 Prozent, arbeiten überhaupt nicht neben ihrem Studium, oder jedenfalls so wenig, dass es nicht als Arbeit zählt. Sie sind - mit einem Aufwand von rund 40 Stunden pro Woche für das Studium und unter 15 Wochenstunden für den Job - klassische Vollzeitstudenten. Anders als das HIS hat das Studentenwerk auch Studenten, die weniger als 15 Stunden in der Woche jobben, zur arbeitenden Studentenbevölkerung gerechnet. Doch nur 12 Prozent aller Studenten absolviert ein volles Studium und finanziert es mit einem Job. Leider gibt aber auch die HIS-Studie nicht an, ob das dann länger dauert.

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Die Dauer eines Studiums hängt wohl weniger davon ab, ob jemand neben dem Studium arbeitet, sondern eher davon, welches Fach an welcher Hochschule studiert wird. Dies jedenfalls läßt die eingangs erwähnte Untersuchung des Wissenschaftsrats vermuten. So dauert das Magisterstudium der Politikwissenschaft an der Universität Passau 10,2 und an der TU Darmstadt 17 Fachsemester. Informatik dauert in Chemnitz oder Bremen 10,4 und in Frankfurt 16,1 Fachsemester. Noch ein Beispiel: Das Diplom in Mathematik dauert in Bremen 9,8 und an der TU Berlin 15,8 Fachsemester. Sabine Etzold

 
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