Kollegenschelte für die Stars

Die neuen Chefs der Werbeagentur Scholz & Friends: Höchst kreativ, also umstritten

Mit Miss Germany in eine neue Werbewelt? Fernsehsendungen, wie die Wahl zur schönsten Frau des Landes, von der Industrie gesponsert und durch Spots finanziert, könnten einen neuen Trend einläuten. Hübsche Mädchen, die über den Laufsteg stolzieren - das ist in der Tat ein attraktives, vor allem aber ein ganz und gar unproblematisches Werbeumfeld für viele Branchen: von der Kosmetikindustrie über Modemacher bis zu den Herstellern teurer Autos.

Tewe Pannier, Chef der Berliner United Visions Entertainment AG, die die Rechte an der Miss-Wahl besitzt, möchte es denn auch nicht bei der finalen Kür bewenden lassen - ein ganzjähriges Event soll daraus werden. Schließlich bieten auch die zahlreichen Vorwahlen genügend Anschauungsmaterial, um die Werbeindustrie zu locken. Und von den Vorausscheidungen möchte der Programmmacher gar Doku-Soaps produzieren. Die Endausscheidung Ende Januar 2002 jedenfalls hat sich schon einmal der Sender Sat. 1 für eine zweistündige Live-Show gesichert.

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Die Verbindung "von publizistischen Inhalten und Werbedenken" ist es denn auch, mit der Sebastian Turner, Kreativchef der Berliner Werbeagentur Scholz & Friends und inzwischen zusammen mit seinem Partner Thomas Heilmann an die Spitze der Hamburger Agenturmutter gerückt, ein neues Kapitel der Werbegeschichte aufschlagen möchte. Integrierte Kommunikation heißt das Zauberwort, mit dem Turner auf die neuen Herausforderungen am Werbemarkt antworten will.

Während die klassische Werbung - TV- und Hörfunkspots, Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften, Kino- und Plakatwerbung - nur noch gering zulegt, gehen immer mehr Werbegelder in andere kommerzielle Kommunikationsformen wie Sponsoring, Telefonmarketing, Werbeartikel, Öffentlichkeitsarbeit sowie Beteiligungen an Messen und Ausstellungen. Zu den gut 33 Milliarden Euro, die im vergangenen Jahr in die klassischen Medien flossen, gesellten sich nach Berechnungen des Werbeverbandes ZAW weitere 31 Milliarden für die übrigen kommerziellen Aktivitäten. Und für diesen Trend, so befindet Turner, seien die Agenturen hierzulande nur unzureichend gerüstet.

Für seine Agentur glaubt er die Antwort gefunden zu haben: die Übernahme von United Visions. Ende Mai wurde der Deal bekannt gegeben - abgesegnet von der Londoner Mutter-Holding Cordiant, mit deren Hilfe die Übernahme abgewickelt wird. Im Laufe des Oktobers, "ganz sicher aber noch im Jahr 2001" (Turner) wird United Visions, seit gut einem Jahr an der Börse, vom Kurszettel verschwinden, am nächsten Morgen wird dafür der Name Scholz & Friends erscheinen. Rund 20 Prozent des Kapitals sollen an der Börse platziert werden. 70 Prozent wird Cordiant halten, den Rest teilt sich das Management.

Geführt wird das Werbeunternehmen künftig von dem bisherigen Agenturchef Peter M. Schöning als Aufsichtsratsvorsitzenden. Neben Turner und Heilmann gehören dem Vorstand Christian Tiedemann als Finanzchef sowie die United-Visions-Abgesandten Tewe Pannier und Wolfgang Boyé an.

Dass der Börsenneuling erst einmal zum Billigpapier wird, stört Sebastian Turner nicht. United Visions war im Juni 2000 zu einem Kurs von 28 Euro an den Neuen Markt gegangen, derzeit werden 3,35 Euro notiert. Anders als andere Neulinge setzen die Kreativen in Hamburg und Berlin allerdings auch nicht auf frisches Kapital - das wäre angesichts der gegenwärtigen Börsenverfassung ohnehin nicht möglich. "Das Geld", freut sich Turner, "ist bereits beim Börsengang geholt worden." Rund 35 Millionen Euro bringt der kleine Partner nun mit in die Ehe.

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