Konjunktur: Keynesianisch
Ökonomen bedienen sich gern dynamischer Metaphern, wenn sie von der Weltwirtschaft reden. Sie sprechen dann zum Beispiel vom Supertanker, der mit schwerer Brandung kämpft. Der Mann am Steuer hat immer denselben Namen: Alan Greenspan. Der Chef der amerikanischen Notenbank gilt als Lenker der Weltwirtschaft. Gerade in diesen Tagen, da die Brandung besonders hoch schlägt.
Das Verbrauchervertrauen in den USA ist so stark gefallen wie seit zehn Jahren nicht mehr. Mit kräftigen Zinssenkungen, so die allgemeine Hoffnung, werde Greenspan die Wirtschaft ankurbeln. Wer, wenn nicht er?
Der Präsident. Und der Krieg. Das jedenfalls meint César Molinas, Ökonom der Investmentbank Merrill Lynch in London. Während Zinssenkungen in früheren Rezessionen durchaus geholfen hätten, seien sie heute womöglich wirkungslos.
Als Ursache der jetzigen Krise gelten nämlich massive Überinvestitionen der Unternehmen der Baubranche dagegen, die am stärksten auf niedrige Zinsen reagiere, geht es nach wie vor gut. "Extrem schlechte Nachrichten für eine effektive Geldpolitik", so Molinas.
Der Wirtschaft könnten deshalb nur noch "die traditionellen keynesianischen Methoden" helfen. Soll heißen, wenn niedrige Zinsen die Unternehmen und die Verbraucher nicht dazu bringen, mehr Geld auszugeben, muss das die Regierung übernehmen. Indem sie den Süden Manhattans wieder aufbauen lässt und ein Konjunkturprogramm von 100 Milliarden Dollar auflegt, wie zuletzt diskutiert.
Und indem sie das Militär aufrüstet. "Insofern könnte der Krieg helfen, die Depression fern zu halten", sagt Molinas. uch
- Datum 04.10.2001 - 14:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 41/2001
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