Öl ist unser Schicksal

Jeder Schlag gegen den Terror berührt die Energieversorgung

Ist alles nur ein Spuk? Besteht keine Veranlassung, sich wegen des Ölnachschubs zu sorgen? Die Märkte signalisieren dies - und viele Ökonomen geben Entwarnung. Selbst kriegerische Aktionen im Nahen Osten, so die beruhigende Botschaft, führten nicht zu Preissprüngen oder gar Engpässen in der Versorgung. Ist die Opec, ist das Kartell der Erdöl exportierenden Länder eben doch nur ein Papiertiger?

Das zu glauben wäre fahrlässig. Gewiss, der weltweite Konjunkturabschwung dämpft die Ölnachfrage. Den elf Opec-Mitgliedern fällt es momentan sogar schwer, den Preis in der angepeilten Marge zwischen 22 und 28 Dollar pro Fass zu halten. Beim Opec-Treffen in Wien verzichtete Saudi-Arabien jüngst darauf, eine Reduzierung der Förderung durchzusetzen, die den derzeit bei knapp 22 Dollar liegenden Preis hochtreiben würde. Das Kartell scheint keine Macht mehr über den Preis auszuüben.

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Scheint. Denn schon bald will die Opec erneut über Förderkürzungen entscheiden. Der Westen sollte sich nicht in Sicherheit wiegen, zumal sich an den fundamentalen Faktoren nichts geändert hat: Die Welt ist abhängig vom "Blut der Erde", der Hunger nach dem Schmiermittel moderner Zivilisation wächst sogar unaufhörlich - und damit auch die Macht der Ölländer.

Je schneller die Industrialisierung Chinas voranschreitet, je mehr Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern sich westlichen Standards von Mobilität und Konsum annähern, desto rascher wird offenbar, wie knapp ausgerechnet jener Rohstoff ist, ohne den Amerika und Europa austrocknen würden. Die internationale Energieagentur warnt schon seit Jahren vor der wachsenden Kluft zwischen Nachfrage und Angebot

"unkonventionelle, nicht identifizierte Reserven" müssten die Lücke schließen, heißt es. Tatsächlich sind alternative Brennstoffe nicht in Sicht

bei der Suche nach neuen Energieträgern wurden Jahrzehnte vertan.

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