Staatsfeind Nummer zwei

Die Jagd auf Osama bin Laden hat begonnen. Doch die Kontrolle über sein Terrornetz hat längst ein anderer

Die Ergreifung von Osama bin Laden ist nur der Anfang der amerikanischen Operation zur Zerschlagung des Al-Qaida-Netzwerks. Eine Person, die Amerikas Fahnder aus Afghanistan unbedingt herausbringen möchten, tot oder lebendig, ist Doktor Ayman al-Zawahiri. Er gilt als Stellvertreter bin Ladens. Für die Koalition, die sich seit den Anschlägen von New York und Washington formiert, ist er der Hauptverdächige Nummer zwei. Die Gruppe, deren Anführer er sein soll, der "Ägyptische Islamische Dschihad", ist für die beginnende Jagd von zentraler Bedeutung. Al-Zawahiri steht auf der Fahndungsliste des FBI als einer der meistgesuchten Drahtzieher der Anschläge auf die amerikanischen Botschaften in Nairobi und Daressalaam im Jahr 1998. Mit bin Laden wird er seit langem in Verbindung gebracht. Ihn als dessen rechte Hand zu bezeichnen könnte bedeuten, seine Bedeutung zu unterschätzen.

Mohamed Atta, der vermutlich das erste der beiden Flugzeuge gesteuert hatte, die am 11. September das World Trade Center zerstörten, ist einer von mindestens zwei Tätern, die als Mitglieder des Ägyptischen Islamischen Dschihad gelten. Der andere war Khalid al-Midhar, der bei einem Treffen mit anderen mutmaßlichen Dschihad-Mitgliedern in Malaysia vergangenes Jahr gefilmt worden war.

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Al-Zawahiri selbst war Ehrengast bei der Hochzeit von bin Ladens Sohn in der afghanischen Stadt Kandahar im Januar dieses Jahres. Bei der Zeremonie hielt er die Hauptrede. Es heißt, dass an der Hochzeit auch eine andere Schlüsselfigur teilgenommen hat, nämlich Mohammed Atef, der militärischer Befehlshaber Al-Qaidas eine Videoaufnahme der Hochzeit wurde von einer arabischen Satellitenstation ausgestrahlt.

Auf der Flucht vor ägyptischen Behörden fand al-Zawahiri in den frühen neunziger Jahren in mehreren europäischen Staaten Unterschlupf. Es wird vermutet, dass er eine zentrale Rolle beim Zustandekommen eines Bündnisses zwischen Dschihad, anderen islamistischen Gruppen und bin Ladens Al-Qaida gespielt hat, einer Koalition, deren Urheberschaft für die jüngsten Attacken in Amerika immer wahrscheinlicher wird.

Ayman Mohammed Rabie al-Zawahiri wurde, ägyptischen Angaben zufolge, am 9.

Juni 1951 geboren. Von Beruf war er Kinderarzt. Seine medizinische Tätigkeit stellte er jedoch ein, um sich ganz der Kampagne der Gewalt gegen die ägyptische Regierung widmen zu können. Eine ganze Reihe von Anschlägen wird ihm zugeschrieben. Die Liste reicht von der Ermordung Präsident Anwar as-Sadats 1981 bis hin zu den schon erwähnten Anschlägen auf die beiden US-Botschaften von 1998.

Einige Experten sind der Ansicht, dass al-Zawahiri in Afghanistan heute den größten Teil von bin Ladens Finanzen, terroristischen Operationen, Planungen und Ressourcen kontrolliert, dies zum Teil auch deshalb, weil bin Laden selbst den Taliban zugesagt habe, sich nicht länger an terroristischen Aktivitäten zu beteiligen. Außerdem habe bin Laden die Kontrolle über seine Organisation aus Gesundheitsgründen abgegeben. Er soll an einer Knochenkrankheit und an Nierenproblemen leiden.

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