Taugt auch auf der schiefen Bahn
Ein Fahrzeug, mit dem man alles erleben kann, aber nichts erleben muss: Der Volvo V 70 Cross Country
Die Oranienburger Straße in Berlin-Mitte gleicht in diesen Tagen eher einer Festung als einer Amüsiermeile für Touristen. Ungewohnte Begleitumstände für all die Voyeure und Kneipenhopper, die es in dieses unweit des Regierungsbetriebes gelegene Gebiet zieht: Wegen der möglichen Gefahren für die jüdische Synagoge und die koscheren Restaurants in der Nachbarschaft patrouillieren schwer bewaffnete Polizisten auf und ab
hat sich ein kolossartiger Wasserwerfer am Straßenrand aufgebaut und müssen Passanten wegen der Absperrungen durch Pfützen waten, die sich immer wieder bei diesem Wetter neben den Gleisen der Straßenbahn bilden. Da fühlt man sich doch sicher in einem fest beplankten, geländegängigen Kombi aus Schwedenstahl. Ein Städter muss halt mit den Gegebenheiten leben, die sich ihm bieten. Es regnet. Kaum Konjunktur für die käuflichen Schönen am Straßenrand. Der Volvo V 70 XC AWD Cross Country hat ein festes Dach, die Mädchen nicht. Die Großstadt hat ihre Lichter angeknipst. Im Vergleich zu den Scheinwerfern des Volvo wirkt die Stadtkulisse wie gedimmt. Nein, dies ist kein Stadtauto, schon gar nicht eines für überfüllte Nachtschwärmbezirke. Doch zeigen wird man sich ja wohl dürfen. Nichts wie weg, ruft das Auto, ich brauche Platz.
Wir folgen seinem Ruf.
Auf dem Weg durch die Stadt zur Avus, der Verbindungsautobahn zwischen Berlin und dem Umland, geht der 2,4-Liter-Motor des Volvos eher undynamisch zur Sache. Schwerfällig setzt sich das tonnenschwere Auto in Bewegung. 100 Stundenkilometer sind auf der früheren Rennstrecke erlaubt. Erst der Kickdown der Automatik hinter der Stadtgrenze bringt den Wagen in Rage. Zügig kommt er auf 180 Sachen: Präzise läuft das Auto geradeaus
die Lenkung scheint manchmal zwar schwammig, dennoch kann man den Volvo notfalls auch mit den Knien lenken, falls man freie Hände braucht. Gut zu wissen.
Raststätte Wolfslake auf der A 10, westlicher Berliner Ring. Ziemlich verborgen hinter den Parkplätzen für die schweren Laster, eröffnet sich eine schmale Furt auf einen Waldweg voller Schikanen. Ein Schleichweg bei Stau in Richtung Norden. Durch einen niedergetrampelten Zaun gelangt man mit einem hochbeinigen Wagen unbehelligt auf einen breiten Streifen aus Sand. Bei diesem Wetter muss ein Cross-Car, das über Stock und Stein fahren kann, richtig böse werden, sonst kann man es vergessen. Mächtige Kiefernkronen schützen den Weg vor allzu schwerer Durchnässung, sodass der Volvo zunächst mühelos durchkommt. Es ist schon spät am Abend
die Scheinwerfer sind stark und haben einen guten Winkel. Doch dann: schwerer Matsch. Die Räder drehen durch und zermalmen den Boden endgültig zu Brei.
- Datum 04.10.2001 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 41/2001
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