Wasserspeier
Für ein Bächlein helle trabt der Besucher in froher Eil zum Gasometer Oberhausen. Wo sich Christos bunte Ölfässer zu The Wall stapelten und wo lauter Fußbälle in Der Ball ist rund eierten, lockt jetzt die Materie schlechthin: Blaues Gold (bis zum 17. März 2002). Der Gast freut sich auf zischende Sturzbäche und gurgelnde Kanalsysteme, auf Sinnstrudel und muntere Variationen zum unendlichen Thema "Wasser". Doch der oberste Oberhausener Wasserspeier, Ausstellungsmacher Wolfgang Volz, schickt den Besucher zuerst in eine Wüste aus 833 Tonnen Sand, die den Frohen in einen Dürstenden verwandelt. 56 Flaschenpostvitrinen entrücken einschlägige Apparaturen in den Rang einer Top-Devotionalie: Entkeimungsgerät, Goethes Wasserglas, Spritzpistole, Schwamm, 5-Minuten-Terrine, Autowaschanlage, Wünschelrute.
Raunende Botschaft: Mensch, gedenke, wie viel Kostbarstes du täglich verschüttest! Im ersten Obergeschoss nötigen den Gast 22 Videowände zu abermals trockener Demut - Wasser als gigantischer kosmischer Animateur zwischen -fall und -tropfen, Flüsse als Transportweg, Taufbecken und Kloake.
Könnte man dieses öde Belehrungsgeflimmer nicht in einem netten Bermudadreieck verschwinden lassen? Nun aber der Gipfel: ein 50 Meter hoher, von innen bestirnter, von Wasser berieselter Kegel aus Segeltuch, der in einem See ruht. Nach 90 Sekunden hat sich der Gast an diesem oszillierenden Zuckerhut satt gesehen, dann fährt er mit dem Lift aufs Dach des Gasometers, sieht den Rhein-Herne-Kanal und weiß, was Blaues Gold in Oberhausen nicht kann: jemanden herrlich nass machen.
- Datum 04.10.2001 - 14:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 41/2001
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren