Wenn Bosse jammern

Warnung vor Subventionen

Noch wissen wir nicht, ob der Terror die Konjunktur in den Abgrund stürzt. Aber deutsche Topmanager wissen schon jetzt, was in der Not gut ist für das Land. Natürlich ist das dann auch gut für ihre Unternehmen. Die Globalisierer Ferdinand Piëch (VW) und Rolf Breuer (Deutsche Bank) suchen ausgerechnet beim Nationalstaat um Hilfe im Schatten des drohenden Krieges nach. Ihr Vorstoß hat etwas von der Quengelei eines Kindes, das den ganzen Tag versucht, Mutti abzuschütteln - und alsbald an ihrem Rockschoß hängt, wenn Gefahr droht.

Piëch nutzt die Gunst der Krise und fordert eine staatliche Verschrottungsprämie. Sie soll Fahrer alter Autos bewegen, sich trotz aller Zukunftsängste einen neuen Wagen zu kaufen. Die Umwelt und die Volkswirtschaft würden von der Prämie zwar kaum profitieren - wohl aber VW.

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Breuers Vorschlag kommt staatsmännischer daher: Gerhard Schröder soll mit zweistelligen Milliardenbeträgen die Konjunktur ankurbeln, die nicht erst seit dem 11. September lahmt. Der Frankfurter Finanzmann verkleidet seine Idee als konzertierte Aktion von Staat, Unternehmen und Gewerkschaften. Zwei Verstöße wider die Marktwirtschaft addieren sich aber nicht zur guten Tat.

Es ist recht, den Topmanagern Krisenopportunismus vorzuhalten. Aber es ist auch billig. Sie vertreten ja eigene Interessen - und zwar diejenigen ihrer Unternehmen. Ordnungspolitische Prinzipien dürfen gar nicht ihr oberster Maßstab sein. Gerade wenn sie sich doch auf sie berufen, ist Skepsis geboten: BWM erklärt dieser Tage, staatliche Interventionen generell nicht für sinnvoll zu halten - für ihre Entscheidung, in Leipig zu produzieren, kassieren die Bayern gleichzeitig Millionen vom Staat.

In Deutschland galten die Empfehlungen der Bosse an die Politiker zuletzt als reine Wahrheit: Wer wollte zum Beispiel noch bestreiten, dass der Staat die Unternehmen mit unzähligen Regularien drangsalierte. Gleichwohl sind Gemeinwohl und Firmenglück noch lange nicht dasselbe.

Ein Armutszeugnis ist es, dass einige Chefs jetzt mit Antworten vom Schrottplatz der Nationalökonomie kommen. Die Volkswirtschaften sind durch Handel, grenzüberschreitende Produktion und Investition eng miteinander vernetzt. Daher würde in der gegenwärtigen Weltkrise ein nationales Ausgabenprogramm verpuffen. Wenn schon, müssten die Staaten der EU gemeinsam die Nachfrage in ihren Ländern stärken. Und wenn schon, sollten die Staaten nicht mehr Geld ausgeben, sondern den Bürgern einfach Steuern erlassen.

Noch ist unklar, wie schwer der Terror die Weltwirtschaft trifft. Und wenn die Indizien der nächsten Wochen für eine anhaltende Rezession sprechen? Dann hat die Bundesregierung ihren besten Beitrag schon in der Schublade: die Steuerreform. Gerhard Schröder kann sie vorziehen und die Erhöhung der Ökosteuer verschieben. Diese Option ist besser, als neues Geld im Lande zu verteilen, um das sich die Interessengruppen balgen.

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