"Wir müssen hart reagieren"

Grünen-Parteichef Fritz Kuhn über Krisenprävention, Weltinnenpolitik und die zunehmende Bedeutung des Militärs im Kampf gegen den Terrorismus. Ein ZEIT-Gespräch

die zeit: Herr Kuhn, nach dem 11. September stehen Themen auf der Tagesordnung - Innere Sicherheit, Terrorismusbekämpfung, militärische Einsätze -, mit denen sich die Grünen schwer tun.

Fritz Kuhn: Das stimmt nur oberflächlich betrachtet. Zwar sind die Grünen nicht die Partei, die man gemeinhin mit einer Politik zur Steigerung der Sicherheit verbindet. Wir sind eher zuständig für die Frage, wie man den liberalen Rechtsstaat bewahren kann. Aber mit dem 11. September sind auch Fragen aktuell geworden, die wir seit langem verfolgen: Nord-Süd-Ausgleich, Krisenprävention, internationale Entwicklungspolitik. Außenpolitik wird sich nach dem 11. September nicht mehr nur auf Europa und die transatlantischen Beziehungen konzentrieren. Es geht um eine Poliitik des weltweiten Ausgleichs. Afrika beispielsweise kann und wird nicht mehr am Rande liegen.

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Wenn man die Ursachen des Terrorismus langfristig bekämpfen will, dann muss man die negativen Globalisierungsfolgen bekämpfen.

zeit: Auch die Grünen haben die Chancen der Globalisierung betont. Heißt es jetzt umdenken?

Kuhn: Wir haben eine positive Haltung zur Globalisierung, aber wir haben auch bisher die negativen Folgen thematisiert. Wenn die Kluft zwischen Armut und Reichtum zu groß wird, dann ist dies auch ein Nährboden für Terrorismus. Das ist keine Legitimation für Terroranschläge. Aber zu einer Terrorismusprävention gehört, dass die Globalisierung nicht Armut und Ausgrenzung produziert.

zeit: Kippt nun die Globalisierungsbegeisterung in pauschale Globalisierungskritik?

Kuhn: Nein. Das ist keine Absage an die Chancen einer Globalisierung, wenn sie sich ihren sozialen, ökologischen und politischen Problemen stellt. Es geht um Armutsbekämpfung und die langfristige Sicherung weltweiter Mindeststandards. Aber eines wird beim Blick auf das internationale Netz des Terrorismus deutlich. In den Kategorien des Nationalstaates kommt man nicht weiter. Der Terrorismus ist nur global zu bekämpfen. Es geht um internationale Kooperation, Weltinnenpolitik, neue Legitimation durch die Uno: Das alles gehört zum positiven Strang der Globalisierung.

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