Zerstörte Werte

Verbrannte Bilder, vernichtete Spuren: Die Folgen der Terroranschläge für die Kunstwelt

Am 11. September wurde in New York nicht nur ein Anschlag auf die Zivilisation verübt. Auch viele Kulturgüter wurden zerstört. Herausragende Werke von Joan Miró, Alexander Calder oder Roy Lichtenstein, die Lobbys und Firmensammlungen in den Twin Towers schmückten, verbrannten oder wurden unter den Trümmern begraben. Dazu gehört auch ein Teil der 300 Güsse und Maquetten umfassenden Auguste-Rodin-Sammlung des Broker-Unternehmens Cantor Fitzgerald, das oben in den Zwillingstürmen ansässig war. Was allein an Werten in diesem Museum im Himmel verloren gegangen ist, mag dort noch niemand kommentieren.

Es klingt makaber - aber selbst gegen solche Verluste kann man sich versichern. Die Allgefahrenpolice der großen drei Assekuranzen Axa Nordstern, Chubb und Hiscox bieten Schutz gegen terroristische Attacken. Auf 100 Millionen Dollar beziffert die Axa Nordstern den Schaden an zerstörten Kunstwerken und bereitet sich auf Forderungen in Höhe von rund 20 Millionen Dollar vor, wie das US-Büro verlauten ließ.

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Für "gewagt" hält Joachim Leuther, Vorstandsmitglied der englischen Versicherungsgruppe Hiscox, die Schadensschätzung der Axa-Kollegen: "Es könnte genauso gut das Doppelte sein." Nach dem Schock vom 11. September hat das Unternehmen mit deutscher Filiale in München inzwischen Ausmaß und Folgen der Katastrophe vorläufig analysiert und garantiert seinen Kunden auch weiterhin einen allumfassenden Versicherungsschutz. Ausgenommen bleiben nach wie vor Schäden durch Kriegshandlungen, staatliche Eingriffe, Atombomben-Verstrahlungen, diverse fahrlässige und klimabedingte Zerstörungen.

Allerdings werden sich wohl die Konditionen ändern. Bislang betrug die Prämie zwei bis vier Tausendstel des Versicherungsswertes. "Die Prämien stehen in keinem Verhältnis mehr zu den Schäden", sagt Witold Wilden, Deutschlandbevollmächtigter von Chubb, einer Versicherung mit einem jährlichen Umsatz von zwei Milliarden US-Dollars und 70 Prozent Privatkunden.

Auch die Rückversicherungen sind offensichtlich nicht mehr bereit, hohe Risiken zu übernehmen. Joachim Leuther: "Abschlüsse in den Regionen über 100 Millionen Mark werden wir wohl nicht mehr ohne die Genehmigung der Rückversicherer zeichnen können." Und Thomas Wessel von der Axa Nordstern verweist auf Unsicherheitsfaktoren bei der derzeitigen politischen Lage: "Der Bündnisfall ist ja eingetreten

mögliche Kriegshandlungen und damit verbundene Schäden unserer Versicherungsnehmer verpflichten uns nicht zu Zahlungen. Aber was ist, wenn die Situation eskaliert und als innere Unruhe betrachtet werden muss?"

Kunstverluste sind indes nicht nur von Konzernen wie der Deutschen Bank oder Sammlern mit Sitz im World Trade Center zu beklagen. Im benachbarten und ebenfalls kollabierten Gebäude WTC 7 war auch die Art Investigation Unit des amerikanischen Zolls angesiedelt, die Beutekunst aufspüren und an ihre rechtmäßigen Besitzer zurückgeben soll. Unersetzliche Unterlagen, zum Teil handschriftliche Hinweise, wurden in den Büros aufbewahrt

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