Weil die Führung heute geisteskrank und moralisch verderbt ist ...

Um für Deutschland zu retten, was vielleicht noch zu retten war, schrieb er einem hochrangigen Offizier in einem Brief:

Sehr geehrter Herr Generalfeldmarschall! Die von hohen militärischen Stellen genährte Auffassung, daß die Zerstörungen im Westen nicht so schlimm seien, hat mich bestimmt, das Zerstörungsgebiet selbst anzusehen. Sie würden ebenso erschüttert sein wie ich. Es hat keinen Zweck, die Gefühle zu beschreiben, die mich bewegten, als ich vom Toelleturm auf die Ruinenstadt Barmen und auf das zur Hälfte zerstörte Elberfeld in Essen heruntersah.

Anzeige

In Essen findet man kaum durch die Straßen, weil in den Trümmern alle Anhaltspunkte, die man gewohnt war, fehlen. Krupp ist zu sechzig Prozent zerstört und arbeitet auch ungefähr nur zu dreißig Prozent. Die gegenteilige Behauptung ist unrichtig. Er hat auch nicht etwa die zerstörten Teile an anderen Orten Deutschlands wieder aufgebaut

nein, der Beginn der Verlagerung ist im Anfang. Wer den Mut zum Denken hat, muß sich schon ohne besondere Sachkunde sagen, daß man erst Gebäude finden, dann sie herrichten, dann die Maschinen zum größten Teil neu beschaffen und dann Kohle und Arbeitskräfte herbeiholen muß. In Elberfeld arbeiteten selbst unversehrte Betriebe des Stadtteils Vohwinkel zu dreißig Prozent, weil die Arbeiter abgewandert sind.

Aus Wuppertal und Essen sind je etwa zwei Drittel, aus Köln vier Fünftel der Bevölkerung verschwunden.

Die Kohleproduktion ist gesunken und sinkt weiter. Im Frühjahr ist auch erstmals die Fertigung der Rüstungsindustrie stark gesunken, weil der Rückgang der Zufuhr aus dem Ruhrgebiet sich nunmehr bemerkbar macht. Aus diesen Trümmern ist im übrigen nichts hervorzusuchen. Es sind Massen von Schutt, Beton und Eisen. Ein Wiederaufbau wird Generationen dauern. Die Unterbringung der Trümmer auf deutschem Boden ist überhaupt nicht möglich, weil zuviel Land verlorengehen würde. Man muß sie also ins Meer schaffen. Die Beseitigung der Trümmer allein von Essen wird, wenn man täglich hundert Waggons mit ihnen beladet, etwa drei Jahre in Anspruch nehmen!

Der bisher entstandene Schaden ist mit 100 Milliarden Mark zu gering geschätzt. Unsere bisherige Reichsschuld beläuft sich auf 250 Milliarden. In drei Monaten werden die Schulden genau so hoch sein wie das gesamte Vermögen.

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service