G E N I E S S E N G E N I E S S E N

Wer an einem Kater leidet, hat meist zu wenig getrunken. Zu wenig Wasser

»Moderat« ist natürlich das Zauberwort. Ein Kater erinnert uns ab und an daran, dass wir am Vorabend zu lange am Jungbrunnen genippelt haben. Bei aller Freude über die zahlreichen Studien, die uns in den letzten Jahren endlich beigebracht haben, dass Alkohol gesund macht, darf natürlich nicht vergessen gehen: Alkohol macht auch dick und blöd und krank und tot.

Aber zumindest das kleine Sterben am Tag danach, das uns das Nervengift Alkohol beschert, muss nicht unbedingt sein. Das altbewährte Hausmittel: Ein Glas Wasser vor dem Schlafengehen. Noch besser, das rät uns Weinexperte Mario Scheuermann, ist das Wasserglas als steter Begleiter. Man sollte mindestens so viel Wasser wie Wein trinken. Denn der Höllenbrand in der Kehle verrät uns nichts anderes, als dass uns das Bechern, auch das Bier-Bechern, letztlich Flüssigkeit entzieht. Fehlt uns Wasser, holt es sich der Körper unter anderem im Hirn - das unter Schmerzen schrumpft.

Grund für Kopfschmerzen und schlechte Befindlichkeit (die berühmte Waschmaschine in der Magengegend) ist aber auch die Tatsache, dass wichtige Mineralien aus dem Körper geschwemmt worden sind: Magnesium, Kalzium, Kalium und Natrium. Marrku Linnoila vom National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism im amerikanischen Rockville, Maryland, empfiehlt, die Defizite wie ein Spitzensportler mit Elektrolytgetränken wett zu machen. Fehlen Elektrolyte, sinkt die Feuerrate der Neuronen im Hirn. Die Folge sind ein dummer Kopf, ein vernebelter Geist.

Ein weiteres Hausmittel besteht die Prüfung der Wissenschaft: Eier. Sie enthalten Zystein, eine Aminosäure, die uns dabei behilflich ist, hochtoxische Sauerstoff-Radikale zu binden, die beim Alkoholabbau entstehen.

Eine Schlüsselrolle im Katerschauspiel nehmen die sogenannten Fuselstoffe ein, Verunreinigungen, die in großen Mengen vor allem in dunklen Destillaten wie Whisky, Cognac oder Fruchtlikören, aber auch in billigen Rotweinen lauern. Die Konzentration dieser Methylalkohole ist im Blut dann am größten, wenn der Kater einen am meisten leiden lässt. Auch dagegen gibt es ein etwas unorthodoxes, langfristig eher suboptimales Hausmittel: das Nachschütten. Man besänftigt den Kater mit Alkohol. Denn eine neuerliche Dosis am Morgen danach verlangsamt den Methanolabbau. Das Leiden dauert zwar erheblich länger, dafür ist es weitaus erträglicher.

Letztlich hat aber jeder Kater stets auch seine guten Seiten. Oft hält er uns davor ab, uns umgehend ins nächste Verderben zu stürzen. Denn die Mengen, die man bei einem Rausch vernichtet, helfen garantiert nicht beim Verlängern des Lebens. Einen weiteren Vorteil ortet Weinexperte Scheuermann in der aufkeimenden Lust auf das Katerfrühstück: Nie schmeckt der Rollmops besser, als nach einer durchzechten Nacht.

Ihr Urs Willmann

Kritik und Anregungen gerne an geniessen@zeit.de .

Fotos des Genießers: Roswitha Hecke

 
  • Quelle
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Medizin | Gesundheit | Lebensmittel | Bier | Alkohol | Wein
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service