Doch will sich der FBI nicht weiter vorwagen und direkt mit dem Finger auf Riad zeigen. Das Problem ist ein altes. Einerseits ist das saudische Wahhabiten-Regime ein klassischer Verbündeter, der zudem 25 Prozent der Welt-Ölvorräte kontrolliert. Anderseits ist die saudische Terror-Connection schon lange kein Geheimnis mehr.

Einerseits schützt die Allianz mit Amerika das Regime (mit 5000 GI's auf saudischem Boden). Anderseits ist das Techteln mit dem Terror nachgerade ein Produkt dieser Allianz.

Der Wahhabismus des saudischen Könighauses ist die Ultra-Version des Islam: orthodoxer und puritanischer als jede andere Variante. Das ausgerechnet dieser Zweig des Islams sich der "Ungläubigen" aus Amerika bedient, um sich selbst an der Macht zu halten, wird von den Bin Ladens dieser Welt als unsägliche Schmach betrachtet, die es auszumerzen gilt. Also herrscht ein quälender Legitimationszwang, den die saudischen Royals seit vielen Jahren mit einem System generöser "Ablasszahlungen" zu bedienen scheinen. (Die helfen auch, davon abzulenken, dass die Prinzengarde des saudischen Könighauses in London oder Paris überhaupt nicht puritanisch lebt.)

Bin Laden selbst war ein frühes Gewächs dieses Systems. Heute hat das US-Justizministerium eine Reihe saudischer Stiftungen ins Visier genommen, die verdächtigt werden, den Terror in der Region zu alimentieren.

Dazu gehören die Mowafaq Stiftung, die Al-Haramain Stiftung, die Weltversammlung muslimischer Jugendlicher und die International Islamic Relief Organization. All diese Organisationen, zum Teil auch von saudischen Privatleuten finanziert, streiten jegliche Verbindung zum Terror vehement ab; sie seien rein karitative Institutionen. Inwiefern die Saudis den Terror von Hamas und den Islamischen Dschihad in Gaza und Westbank alimentieren, ist eine Frage, die der FBI zurzeit nicht nachgeht. Dies sei neuerdings keine "Top-Priorität", heißt es in Washington. Kritiker erklären diese Nachsicht mit dem übergeordneten Imperativen des Koalitions-Management: Die USA wollen in diesen Zeiten nicht als "pro-israelisch" gelten.

Ein anderes saudisches Verteilungssystem sind die Religionsschulen - "madrasas" -, die den Wahhabismus im Nahen und Mittleren Osten verbreiten. Seit 30 Jahren wird in diesen Schulen ein fundamentalistischer, anti-westlicher Islam gelehrt, mit Zehntausenden von fanatisierten Absolventen, die ein klassisches Rekrutierungspotential für die Bin Ladens abgeben.

Eine denkwürdige Ironie: Einerseits ist Riad Amerikas wichtigster arabischer Verbündete, anderseits ein Regime, das aus inneren Legitimitationsnöten einen Teufelspakt mit den Todfeinden Amerikas eingegangen ist. Dies ist eine Zeitbombe mehr in Amerikas globaler Koalition gegen den Terror. Oder ein Merkposten für die amerikanische Politik für den Tag danach, wenn die Freunde in Riad gefragt werden, auf welcher Seite sie eigentlich künftig zu stehen wünschen.