Vor über zwei Jahren (ZEIT Nr. 5/99) habe ich mich an dieser Stelle mit der Frage beschäftigt, ob eine von einem Hochhaus geworfene Münze lebensgefährlich werden könnte. Die Antwort damals: Eher nicht, die Fallgeschwindigkeit des trudelnden Geldstücks ist mit etwa 40 km/h zu gering. Gewehr- und Pistolenmunition ist aber aerodynamisch "günstiger" geformt. Und das macht einen tragischen Unterschied aus: Am 4. Juli 1999 kam ein 9-jähriger Junge in Los Angeles im "Kugelhagel" der Feiern zum amerikanischen Unabhängigkeitstag zu Tode, und er war beileibe kein Einzelfall: 38 Menschen starben allein im Großraum Los Angeles zwischen 1985 und 1992 durch herabfallende Gewehrkugeln, meist bei ausgelassenen Feiern zum Unabhängigkeitstag oder an Silvester.

Die Physik dahinter: Die Kugel verlässt die Mündung mit einer Geschwindigkeit von etwa 3000 Kilometern pro Stunde und kann bis zu drei Kilometer hoch in die Luft steigen. Die Austrittsgeschwindigkeit ist aber für die Wirkung letztlich nicht relevant. Denn beim Herunterfallen beschleunigt das Projektil so, als hätte man es aus dieser Höhe fallen lassen. Der Luftwiderstand sorgt dafür, dass die Kugel nach einiger Zeit nicht mehr schneller wird und eine konstante Endgeschwindigkeit erreicht. Nach Berechnung der amerikanischen Schusswaffenlobby NRA (und die kennt sich wohl aus) beträgt diese Geschwindigkeit zwischen 300 und 500 km/h. Schon ab 200 km/h kann ein Geschoss die menschliche Schädeldecke durchschlagen. Da kann man nur froh sein, dass bei uns die Verbreitung von Handfeuerwaffen etwas rigider gehandhabt wird. Christoph Drösser

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