In einem Wohnviertel wird die Wasserleitung getroffen und zerstört; ein Blindgänger trifft eine Polizeistation mitten im Zentrum der Stadt. Die Moscheeschulen sind weiter geöffnet, halten allerdings nur noch nachmittags Unterricht – weil es morgens allmählich zu kalt wird und die Moscheen nicht beheizbar sind. Alltagsleben in einer Stadt unter Beschuss.
Mehrfach in der Woche telefoniert Peter Schwittek aus Deutschland über Satellit mit seinen Mitarbeitern im Ofarin-Büro in Kabul, dessen Leiter er ist. Ofarin steht für "Organisation zur Förderung afghanischer regionaler Initiativen und Nachbarschaftshilfe" und wird von der deutschen und amerikanischen Caritas unterstützt. Neben landwirtschaftlichen und anderen Projekten gründete und betreut Ofarin auch das Unterrichtsprojekt in den Moscheeschulen; näheres dazu in DIE ZEIT Nr.41, Mathe gegen Taliban.

Bis jetzt "steht" der direkte Draht nach Kabul ins Ofarin-Büro. Peter Schwittek, der zufällig am 11.September nicht im Land war und bis jetzt nicht mehr zurück kann, wird regelmäßig über den Stand der Projekte und die Situation in Stadt und Land auf dem laufenden gehalten. Jedoch droht die Leitung nun "heiß" zu werden. Möglicherweise kommt die Verbindung demnächst seltener und nur über eine Zwischenstation im Ofarin-Büro in Peschawar zustande. Solange sie aber besteht, gibt Schwittek die neuesten Nachrichten aus Kabul in einem Rundbrief und bei der ZEIT im Internet weiter.(Sabine Etzold)

Subject: Nachtrag Kabul 01-11-12
From: Schwittek@t-online.de
Date: 12 Nov 2001 18:59 GMT

Liebe Freunde,

heute erfuhren wir aus dem LEPCO-Buero, dass die LEPCO-Institutionen in Mazar-e-Sharif die Eroberung der Stadt durch die Nordallianz gut ueberstanden haben. Dies ergab ein Telefonat zwischen LEPCO-Mazar und LEPCO-Peshawar. Die Menschen haben den Wechsel als Befreiung erfahren. General Dostam ist an der Macht. Die Frauen duerfen wieder berufstaetig sein. Sie duerfen auch wieder den Schrein Alis in der grossen Moschee aufsuchen. Die Maenner scheren sich die Baerte. Jungen und Maedchenschulen sollen wieder eroeffnet werden. Man hoert wieder Musik und das lokale Fernsehen "Television-e-Balkh" soll bald wieder seine Taetigkeit aufnehmen. Die LEPCO-Maenner-Klinik arbeitet bereits wieder, die Frauenklinik wird in Kuerze ebenfalls aktiv sein.

Die Strasse durch das Maidantal zum Unai-Pass, die kuerzeste Verbindung von Peshawar und Kabul ins Hazarajat, wurde geschlossen.

Herzliche Gruesse, Peter Schwittek.