die zeit: Sie haben Defizite im hiesigen Katastrophenschutz beklagt. Wo klaffen Lücken?

Alexander S. Kekulé: Gut ausgestattet sind wir beim normalen Katastrophenschutz, etwa zur Bekämpfung von Dammbrüchen. Doch vor allem im ABC-Schutz gibt es Lücken: Da die Zuständigkeiten dezentralisiert sind, müsste jedes Bundesland über Mittel und Know-how verfügen, um terroristische Angriffe mit atomaren, biologischen oder chemischen Waffen zu parieren. Das könnte bei Chemiewaffen noch gelingen, bei modernen Biowaffen aber wären sie überfordert.

zeit: Was heißt modern? Anthrax ist doch ein Veteran aus dem Zweiten Weltkrieg.

Kekulé: Ja, zum Glück. Mit dem alten Kampfstoff Anthrax könnten wir es vielleicht noch aufnehmen, auch wenn die Ausstattung im B-Waffenschutz teilweise desolat ist. Aber wir müssen in absehbarer Zukunft auch mit neuen Waffen rechnen. Auf antibiotikaresistenten Milzbrand beispielsweise sind wir nicht vorbereitet, von gentechnisch veränderten Viren ganz zu schweigen.

zeit: Aber wir haben doch die neuen ABC-Rettungsfahrzeuge und den Spürpanzer Fuchs.

Kekulé: Diese Fahrzeuge sind eher für Kriegssituationen geeignet, insbesondere der Fuchs: Man fährt damit in verseuchtes Feindesland, um Proben zu sammeln und eine erste Analytik zu machen: Ist Gift da, ja oder nein? Ein Spürpanzer taugt nicht für zivile Zwecke, etwa zum Aufspüren von terroristisch verstreutem Pulver in der U-Bahn. Das müssen speziell ausgebildete Feuerwehrleute tun und das verdächtige Material in ein zentrales Speziallabor bringen. Erst dieses kann feststellen, um welchen radioaktiven, biologischen oder chemischen Kampfstoff es sich handelt. Solch eine zentrale Einrichtung fehlt.

zeit: Es gibt aber doch biologische Hochsicherheitslabors oder hervorragende Analytik für chemische oder radioaktive Substanzen in Forschungszentren oder in der Industrie.