Die Stylistin aus London, die vor sieben Jahren Paris verlassen mußte, weil sie schon damals zu modern war für diese Stadt, ist bekannt für ihre launischen Einfälle und Kleiderschichten, ihren Mix aus großen Namen und unbekannten Fundstücken und ihre poetisch inszenierten Outfits sämtlicher Fashion-Editorials in Self Service, Dazed & Confused oder The Face. Sie stellte die Kampagnen zusammen für Cacharel, Costume National, Sergio Rossi und die Schauen von Martine Sitbon, Byblos, Yohji Yamamoto, Christian Lacroix und Christian Dior. Außerdem gehört sie zu dem Team von Marc Jacobs, das dem beliebtesten New Yorker Label Marc sein Gesicht gibt, allen voran Juergen Teller und seine Stylistin Venetia Scott. Hier arbeitet die 29-Jährige für die Schauen und Kampagnen, gemeinsam mit ihrer besten Freundin und Designerin Susanne Deeken, mit der sie sich an der Themse eine Fabrik-Etage teilt. Camille, Exgirlfriend von Pulp-Sänger Jarvis Cocker, ist fester Bestandteil der Londoner Rasselbande um die Stylistinnen Katy England und Katie Grand und wurde von der Zeitschrift Harper's Bazaar als »one of the world's most fashionable women« bezeichnet.

Auf den Prêt-à-porter- Schauen in Paris saß sie neben ihrem neuen Star, Terry Richardson. Dort trafen wir sie bei Balenciaga, als man wusste, was sich Moderedakteurinnen nach diesem Winter gegenseitig wegkaufen werden: Nicolas Ghesquières Patchwork, Silberstreifen und Knitterbaumwolle. Mit dieser Phase hat Camille vor drei Wochen bereits abgeschlossen, sie ist schon wieder zehn Jahre weiter, in den sechziger Jahren.

Eigentlich waren wir schon heute Morgen verabredet, nach der Chanel-Show, wo waren Sie?

Entschuldigung, ich hatte das total vergessen. Ich war zwar da, musste aber ganz schnell weg.

Zur nächsten Show?

Nein. Ich schaue mir nicht alles an. Dazu bin ich viel zu faul. Es ging mir nicht so gut, lag wohl an der Party gestern, zu viel getrunken.

Haben Sie nach der Chanel-Show noch mal geschlafen oder bei Courrèges eingekauft? Sie sehen heute aus wie eine Stewardess, extrem erholt und aufgeräumt. Vor kurzem sah man Sie noch mit wehenden Haaren, Schlapphut und glitzernden Hippie-Kleidern. Was ist passiert?