»Viele Menschen sind von Sex wie besessen, also macht es doch Sinn, mit Pornodarstellern zu arbeiten. Sie verbringen Tausende Stunden vor Kameras und sind fantastische Modelle«, so Richardson damals. Für viele Kritiker stand er zu diesem Zeitpunkt bereits seit Jahren an vorderster Front der Modefotografie. Helmut Newton, der in einem Interview gefragt wurde, welcher lebende Fotograf ihm gefallen würde, sagte: »Mich interessiert nur einer, Terry Richardson.«

Sein Vater Bob Richardson, hatte mit Andy Warhol studiert, bevor er mit seinen Modefotografien für Harper's Bazaar und die französische Vogue zu einem der bedeutendsten und erfolgreichsten Modefotografen der sechziger Jahre wurde. Bob Richardson forderte und feierte bereits damals in seinen Modebildern echte, ungehemmte Gefühle. Während ein John Cassavetes den Traumfabriken Hollywoods den klingelnden Wecker der Realität ans Ohr hielt, brachte Bob Richardson einer erstarrten Modewelt einen Schub echter Gefühle.

Sohn Terry kam über Umwege zur Fotografie (siehe Interview). Seitdem hat er unzählige Modestrecken und Cover für Vogue , Harper's Bazaar , GQ , The Face , I-D , Big , Dazed & Confused gemacht sowie etliche Werbekampagnen für Armani, Anna Molinari, Katharine Hamnett, Sisley und Gucci. Er gilt mittlerweile als der (hoch dotierte) Superstar der Branche.

Für Terry Richardson halten Gewalt und Brutalität die Welt zusammen. Rücksichtslos attackieren seine Bilder die Fassade der glamourösen und selbstverliebten Modewelt. Er hat wie viele seiner Kollegen - Jürgen Teller, Wolfgang Tillmanns zum Beispiel - nichts übrig für das Blendwerk von Hairstylisten und Make-up-Künstlern.

Die selbstgefällige Inszenierung der Privilegierten, Schönen und Erfolgreichen der kapitalistischen Gesellschaft interessiert ihn nicht so sehr. Dagegen ist er auf der Suche nach Realismus und Authentizität, nach Schönheit und Würde in einer hässlichen und traurigen Welt. Sein nihilistischer »Pseudo-Porn«-Trashlook hat die Metropolen, Kampagnen und Redaktionen der Modewelt erobert. Dabei ist die existenzialistische, angeblitzte Ästhetik nichts Neues. Seine Vorbilder heißen Nan Goldin und Larry Clark, die beide der Fabrik Andy Warhols entstammen.

Wir trafen Terry Richardson im Düsseldorfer Hotel Steigenberger.

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