Rüdiger Holicek, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei, hat Mühe, den Überblick zu behalten. Was hat Schleswig-Holstein beschlossen? Was Sachsen-Anhalt? Ständig muss der Gewerkschafter jetzt bei seinen Landesverbänden nachfragen. Polizei ist Ländersache, und seit den Terroranschlägen in den USA überbieten die Bundesländer einander darin, "Sicherheitspakete" zu schnüren oder "Sofortmaßnahmen" zu beschließen. Mögen die Schuldenberge auch noch so drücken - jetzt werden notfalls neue Schulden aufgenommen, um Polizei und Verfassungsschutz aufzurüsten.

400 Millionen Mark gibt Bayern in den nächsten fünf Jahren zusätzlich für innere Sicherheit aus. 890 neue Stellen, davon 650 bei der Polizei, sollen geschaffen werden. Gestärkt werden auch Verfassungsschutz, Feuerwehren, Katastrophenschutz und Justiz. Mit einem "strategischen Innovationszentrum" soll die Polizei zudem eine Art Denkfabrik erhalten, um sich besser auf neue Formen der Kriminalität einstellen zu können. Dies alles, im Unterschied zu anderen Ländern, ganz ohne Neuverschuldung, nur durch Einsparungen in allen Ressorts.

Hessen macht ebenfalls 400 Millionen Mark zusätzlich locker, mehr als die Hälfte davon für neue Computer und Informationssysteme. Die Polizei erhält 350 neue Stellen, und die Zahl der Polizeiausbildungsplätze soll bis 2004 verdoppelt werden.

Bei weitem nicht so üppig sind die Summen, die andere Bundesländer nun zur Terrorbekämpfung zusammenkratzen. Baden-Württemberg: 57 Millionen, Nordrhein-Westfalen: 36 Millionen, Brandenburg: 74 Millionen, Berlin: 13 Millionen Mark. Selbst das kleine, arme Sachsen-Anhalt zwackt sich acht Millionen Mark ab und das hoch verschuldete Schleswig-Holstein 25 Millionen Mark, finanziert auf Pump, was sich Ministerpräsidentin Heide Simonis von allen fünf Landtagsparteien absegnen ließ.

Für Gewerkschafter Holicek drückt sich in den hastig beschlossenen Sicherheitsprogrammen "eine Menge schlechtes Gewissen der Politik" aus. Denn systematisch hätten alle Länder außer Bayern und Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren Stellen bei Polizei und Verfassungsschutz gestrichen. Die zusätzlichen Mittel stellten meist nur den Zustand früherer Jahre wieder her. Neue Aufgaben könnten kaum bewältigt werden. Experten wie Kai Hirschmann von der Bundesakademie für Sicherheitspolitik halten den Geldregen sogar für "kontraproduktiv". Nicht an Mitteln, sondern an "Koordination und Effizienz" fehle es den Länderpolizeien, die meist nebeneinanderher, manchmal sogar gegeneinander arbeiteten - ein Dilemma, das sich nun noch verstärken könnte.