Eine Dame und sechs Herren auf dem Podium, hinter ihnen der geballte Sachverstand der sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute der Republik - es war wieder Zeit für die Präsentation des Konjunkturgutachtens. Die Experten verkündeten, dass die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr gerade mal um 0,7 Prozent wachsen wird und 2002 auch nur um 1,3 Prozent. Allerdings: "Die Prognose ist vor dem Hintergrund der gegenwärtigen weltpolitischen Lage mit einer ungewöhnlich großen Unsicherheit behaftet."

Prognosen sind ein riskantes Geschäft. Schon vor den Attentaten überboten sich Experten dabei, ihre Voraussagen fast wöchentlich zu korrigieren - nach unten. In Zeiten von Krieg und Krisen jedoch wird der Blick in die Zukunft zum Abenteuer, schnell ändern sich die Annahmen, auf denen die Vorausschau aufbaut. Generell jedoch tendieren die Konjunkturexperten in solchen Situationen zum Pessimismus.

Dennoch wäre es falsch, daraus zwangsläufig einen konjunkturellen Niedergang abzuleiten. Das bekannteste Gegenbeispiel: der durch den Koreakrieg Anfang der Fünfziger ausgelöste Wirtschaftsboom. Die USA weiteten ihre Rüstungsausgaben gewaltig aus, und obwohl Präsident Truman zur Finanzierung die Steuern empfindlich erhöhte, kauften die Verbraucher mehr denn je. Die US-Wirtschaft zog an, und in den weltweiten Nachfragesog geriet auch die deutsche Industrie. Zwischen 1950 und 1955 verdreifachten sich die Exporte des deutschen Maschinenbaus. Durchaus seriöse Historiker schreiben die Stabilisierung der Erhardschen Marktwirtschaft nicht ordnungspolitischen Entscheidungen, sondern primär dem Koreaboom zu.

Die Konsumlust entscheidet

Ganz anders wirkte sich der Golfkrieg vor zehn Jahren aus. Als die Irakis bereits in Kuwait einmarschiert waren, der Krieg aber noch nicht wütete, prognostizierte der Sachverständigenrat: "Unter der Voraussetzung, dass eine politische Lösung der Golfkrise gelingt, sind die Befürchtungen über eine nachhaltige Beeinträchtigung der wirtschaftlichen Entwicklung durch die höheren Ölpreise nicht gerechtfertigt." Anfang 1991 brach der Krieg los, steigende Ölpreise, hohe Zinsen und schwindendes Vertrauen der Verbraucher rissen die ohnehin schwache amerikanische Konjunktur in eine Rezession. Die deutsche Wirtschaft hatte es lediglich dem Effekt der Wiedervereinigung zu verdanken, dass sie erst 1993 schrumpfte.

Dann suchte im Januar 1995 ein Erdbeben die japanische Stadt Kobe heim. Über 6000 Menschen kamen um, die Schäden wurden auf 150 Milliarden Dollar geschätzt. Kurz darauf kostete ein Giftgasattentat in Tokyo zwölf Menschenleben und 5000 Verletzte. Die Unsicherheit war groß, alle Welt erwartete den Absturz der japanischen Wirtschaft. Doch die schaffte 1995 ein Wachstum von 1,6 Prozent, wenn auch mithilfe eines staatlichen Stützprogramms.

Entscheidend ist nach der Erkenntnis der Konjunkturforscher offensichtlich, wie stark die allgemeine Verunsicherung das Verbraucherverhalten prägt. Nach Ausbruch des Koreakrieges war der erste Schock schnell überwunden, und in den USA brummte nicht nur die Rüstungsindustrie, sondern auch die Konsumgüterbranche. Sogar in Westdeutschland kauften die Haushalte so üppig ein, dass die Importe und die Verbraucherpreise in die Höhe schnellten.