Das Buch verwirrt. Schon auf dem Schutzumschlag. Peter Glotz hat es geschrieben. Und es heißt schlicht Ron Sommer. Aha, denkt der Leser: eine Biografie. Der Untertitel aber lautet Der Weg der Telekom. Das deutet in eine andere Richtung, etwa diese: Wie aus einer monopolistischen Behörde ein Unternehmen wurde. Wendet man nun die Buchhülle, steht da zu lesen: "Die erste Biographie über Ron Sommer". Also doch?

Die Antwort vorweg: purer Etikettenschwindel, keine Biografie, nicht nur nicht die erste, gar keine. Ron Sommer ist als Mensch mit seiner Geschichte nicht zu fassen. Denn er will sich nicht fassen lassen - eine der durchaus sympathischen Seiten des Mannes, der als Chef der Telekom eine öffentliche Figur sein muss und es als Privatmensch nicht sein will.

Was ist es aber dann, dieses Buch, wenn es eine Biografie nicht ist? Dass diese Frage, milde formuliert, nicht eindeutig zu beantworten ist, bezeichnet keineswegs ein nur definitorisches Problem. Das Buch hat einfach keine wirkliche Gestalt. Hinreißenden und glänzend geschriebenen Kurzreportagen (wie die über den gescheiterten Versuch, die Telecom Italia zu übernehmen) folgen mehr oder weniger tiefsinnige Traktate. Dann steigen Blasen auf wie diese: "Die Wirtschaft ist die stärkste Lebensmacht. Und ihre Logik ist international im digitalen Kapitalismus." Wenn aber der Rezensent ermattet denkt, wäre ich doch ein normaler Leser und könnte einfach zuklappen, begegnen ihm Kurzporträts wie das des Chefs der Postgewerkschaft, Kurt van Haaren: "ein hünenhafter, cholerischer, aber versöhnungsfähiger Grizzlybär, den seine Leute halb liebevoll, halb angstvoll Ayatollah nannten".

Kaum aber ist der lesende Konsument erwacht, da führt ihn der Autor wieder ab in die nächsten Schlafräume, voll mit Zahlen und technischen Produkten. Es ist dort übermäßig Gelegenheit, die Sprache der digitalen Moderne kennen zu lernen. So übermäßig, dass es der Autor selbst für ratsam hielt, all die schönen Wörter in einem "Glossar" genannten Anhang so einigermaßen ins Deutsche zu übertragen.

Fast ärgerlich auch, dass Peter Glotz sich in einigen entscheidenden Augenblicken nicht entscheiden mag. Im Zusammenhang mit dem Bemühen der Telekom, sich zum Global Player zu mausern, zitiert er etwa einen Ökonomen, der den wirtschaftlichen Sinn von Megafusionen anzweifelt. Ob der aber damit Recht habe, "wollen wir einmal dahin gestellt sein lassen". Dabei wäre Glotz' Einschätzung durchaus interessant gewesen. Denn dass der Mann nicht wüsste, wovon er schreibt, kann ihm keiner nachsagen. Er befasst sich als damals führender SPD-Politiker früh mit den Postreformen, saß beinahe zehn Jahre im Aufsichtsrat der Telekom, leitet noch heute deren Medienbeirat.

Weil er so viel mitgemacht hat mit der Post, der Telekom und Ron Sommer, begleitet er deren Tun mit "Empathie", wie er ausdrücklich schreibt und was er offenkundig als hilfreich beim Schreiben empfunden hat. Mehr Distanz hätte gewiss die größere Hilfe geleistet.