Nun haben sich also die Sozialdemokraten und die Grünen tatsächlich noch auf ein Sicherheitspaket geeinigt, nachdem es tage- und wochenlang so ausgesehen hatte, als werde die rot-grüne Koalition gleich platzen. Ja, noch mehr: Offenbar haben sich die beiden Parteien auch noch über einen Entwurf zum Zuwanderungsgesetz geeinigt, obwohl doch schon darüber die Koalition mehrmals platzen sollte. Muss denn immer erst etwas platzen, beinahe - bevor etwas klappt?

Gewiss, Konflikt ist das Material, aus dem die Politik gemacht wird. Der Streit liegt oft genug in der Sache selber - und die Sache ist of genug einen Streit wert. Im übrigen gehört es zu den Funktionsgesetzen der politischen Integration eines Gemeinwesens, dass sich (Teil-)Gruppen stabilisieren über gewonnene Auseinandersetzungen - und dank bleibender Gegner. Und mitunter ist Zoff ja auch ganz unterhaltsam, solange jedenfalls, wie es die eigenen Leute sind, die austeilen und nicht etwa einstecken.

Aber wenn daraus das immer gleiche Reiz-Reaktions-Schema wird ("Erst schlagen sie sich, dann küssen sie sich"), dann wird die Sache allmählich fade. Dann nimmt man die ausgeteilten Schläge nicht mehr ernst - und das Küssen, das gilt dann nur noch als Zeichen für die simple Tatsache: Entweder behalten wir die Macht gemeinsam - oder verlieren sie gemeinsam. Diesen Kuss der ganzen Welt!

Was also wünsche ich mir? Weniger Streit in der Politik? Nein, das nicht, im Gegenteil: Von mir aus mehr Streit! Aber dann an der richtigen Stelle, richtig um die Inhalte - und zunächst einmal innerhalb der politischen Institutionen und Gremien - dort, wo aus einem Streit unmittelbar etwas für die Sache werden kann. Wir Journalisten werden schon dahinter kommen, was da gelaufen ist - denn uns interessiert alles, was interessant ist. Aber die immer wieder neu aufgelegte Seifenoper für sich genommen ("Sie schlugen und...") wird immer langweiliger.

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