Die Landschaft, alte bewachsene Dünen und Nadelwaldplantagen, hat etwas Uriges, kann aber leicht eintönig wirken. Rechts und links der Straße tauchen ab und an Häuser auf, gelegentlich auch Mink-Farmen mit ihren Ställen. Etwas auffälliger sind dann schon die Gebäude der Nordjysk Minkfoder A/S, eines Betriebes, in dem etwa 20 Beschäftigte Futter für Pelz- und Haustiere zusammenkochen, verpacken oder einfrieren. Einigen der Anlagen würde etwas Farbe ganz gut tun. Doch linker Hand steht eine offenbar ganz neue Halle aus hellen Betonelementen. Dahinter ragen vier Zylinder aus blau beschichtetem geriffeltem Stahl in die Höhe.

Das eher unscheinbare Ensemble in Hvims, unweit der dänischen Nordspitze, birgt etwas Außergewöhnliches: eine CO2-freie Fabrik. Strom und Wärme für Produktionshallen und Büros kommen aus der hauseigenen Biogasanlage - der neuen Halle mit den blauen Zylindern. Gefüttert wird sie vor allem mit den Abwässern der Futterfabrik, die viele organische Restsubstanzen enthalten. Die Biogasanlage liefert pro Jahr rund 3,6 Millionen Kilowattstunden Strom und für umgerechnet 4,3 Millionen Kilowattstunden Wärme, viel mehr, als der Betrieb braucht. Die überschüssige Wärme geht an Institutionen in der Umgebung, der Strom geht ins Netz.

Ein Techniker im Blaumann zeigt auf den größten, etwa zwölf Meter hohen Zylinder: "Hier, in dem Reaktor, bilden die Bakterien das Biogas. Der dünnere Tank daneben enthält fetthaltige Zusatzstoffe." Durch Zugabe dieses "Kraftfutters" lässt sich die Gasproduktion noch beträchtlich steigern. In einem dritten Zylinder werden die Abwässer nachbehandelt, ein vierter dient als Wärmespeicher.

Direktor Jørgen Stræde Johansen erläutert, warum er sich für den Bau entschloss: "Früher konnten wir unsere Abwässer an die Bauern in der Umgebung abgeben, die sie als Dünger auf die Felder brachten. Doch dann verboten die Behörden die Ausbringung von Oktober bis März. Wir mussten uns also etwas einfallen lassen und kontaktierten George Aboagye-Mathiesen." Also den in Ghana geborenen und in Århus ausgebildeten Direktor des Anlagenbauers Dansk Biogas A/S.

Die dänischen Umweltbehörden wurden rigoroser, weil nicht ausgenutzte Nährstoffe Flüsse und küstennahe Gewässer überdüngten. Immer wieder kam es vor, dass Fische starben, weil der Sauerstoff knapp wurde. Nach der Entgasung im Biokraftwerk können die nun praktisch keimfreien Abwässer wieder auf die Äcker gebracht werden. Der Nährstoffgehalt ist bekannt, steuerbar und damit genau zu dosieren. Außerdem wird der Stickstoff im Bioreaktor weitgehend mineralisiert. Die Pflanzen können ihn so leichter aufnehmen. "Die Landwirte dürfen nur begrenzte Mengen an Handelsdünger ausbringen", erklärt Johansen. "Unsere entgasten Rückstände sind für sie besonders wertvoll, weil sie pro Kilo mehr nutzbare Pflanzennahrung als bei anderen Düngersorten bekommen."

Rund 30 Kilometer von dieser Fabrik liegt das Dorf Vester Hjermitslev. Hier können die Viehzuchtbetriebe der Umgebung schon seit 1984 ihre Gülle verstromen lassen. Heute arbeiten in Dänemark 20 dieser Gemeinschaftsanlagen - eine einzigartige Dichte größerer Biokraftwerke. Hinzu kommen Anlagen auf Einzelhöfen, 65 Biogas produzierende Kläranlagen, 17 Werke auf Mülldeponien und vier Kraftwerke, die Hausmüll vergasen. Damit ist Dänemark das erste Land der Welt, das derart konsequent auf Biogas gesetzt hat. Die großen Gemeinschafts-Biokraftwerke arbeiten wirtschaftlich, weitere sind geplant. Aber der Weg dorthin war dornig. Die scheinbar so einfache Idee, aus Mist Energie zu machen, erwies sich in der Praxis als schwierig (siehe: "Wie in der Natur").

Im Nachbarland Schweden produzieren Biogasanlagen bereits rund 1,4 Milliarden Kilowattstunden, mehr als in Dänemark. Allerdings kommt das schwedische Gas vor allem aus Kläranlagen und Mülldeponien. Das ist relativ billig, denn die Verrottung und Methanbildung läuft ohnehin ab. Man braucht sozusagen nur einen Deckel draufzulegen und ein Rohr hineinzustechen, dann kommt das Gas von allein heraus. Die Schweden experimentieren seit den achtziger Jahren mit Biogas im Straßenverkehr. Dafür muss es allerdings auf Erdgasqualität veredelt werden, was noch recht teuer ist. In den Großtädten Göteborg und Malmö fahren seit Jahren Busse mit Gasantrieb. Der Luft in den Städten tat das gut, denn Gas ist reiner als Diesel. Keine alternative Energiequelle legt in Schweden derzeit so schnell zu wie Bio- und Erdgas im Straßenverkehr. In Deutschland führte das Biogas bis weit in die neunziger Jahre eine kümmerliche Existenz. Doch seit dem Inkrafttreten des "Erneuerbare-Energien-Gesetzes" im April 2000 ging es stürmisch voran. Seitdem bekommen Biogasbetreiber 20 Pfennig für die Kilowattstunde, auf 20 Jahre garantiert - großzügige Investitionsbedingungen. Johansen von der Nordjysk Minkfoder A/S konnte nur mit 17 Pfennig auf zehn Jahre rechnen.